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Elave

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Dienstag, 4. Februar 2014, 23:40

Elave - Ein Weg in die Sklaverei

An dieser Stelle möchte ich Elaves Vorgeschichte ausgeschmückt erzählen. Immer in kleinen Etappen - irgendwie muss man sich die Zeit bis zum Spielstart ja auch vertreiben.
Die ganze Geschichte beginnt vor 10 Jahren.

Elave - Ein Weg in die Sklaverei

Aufbruch

Ich wünschte, ihr würdet noch nicht fahren, Mael. Gerade jetzt könnten wir einen Handwerker wie dich gut gebrauchen.
Servan, mein Freund, du weisst doch wie es heisst: ‘Such dir einen neuen Hügel und werde König‘. Wenn wir jetzt nicht fahren würden, wann dann?“ Der rotgelockte Bretone schaute zu den verkohlten Resten des Hauses, was er einmal mit viel Liebe für seine Familie erbaut hatte.
Gemeinsam kriegen wir das hin, Mael. Wir bauen alles wieder auf! Noch schöner als vorher!“ Servan warf nun selbst einen Blick die Strasse hinunter. Die Feuersbrunst hatte viele der strohgedeckten Häuser rasend schnell in Rauch und Asche aufgehen lassen. Es war ein Glück, dass außer ein paar Hühnern niemand zu Schaden gekommen war.
Mael lächelte seinen Freund sanft durch den gepflegten Vollbart an. „Es ist längst beschlossene Sache, lieber Freund.“ Nach einer stillen Pause setzte er fort: „ Erinnerst du dich noch an den Wanderschmied, der im vergangenen Winter durch unser Dorf kam?“ „Der Nord, der bei euch unterkam, solange er im Ort war?“ „Genau der. Er erzählte viel von seiner Heimat. Die Kinder waren ganz versessen auf seine Geschichten. Und er schaute sich meine Arbeit an. Er sagte, ein Schreiner mit meinen Fähigkeiten wäre in seiner Heimat mehr als nur willkommen. Ich muss diese Chance ergreifen, Servan, verstehst du das nicht?
Servan seufzte und nickte dann: „Natürlich verstehe ich dich. Aber du wirst uns fehlen. Uns allen. Versprich mir, dass du uns schreiben wirst, wenn ihr einen Platz gefunden habt, wo ihr sesshaft werden wollt!“ „Das verspreche ich dir. Aber nun wird es Zeit, dass wir aufbrechen. Ich möchte noch vor Einbruch der Dunkelheit die Furt überquert haben.“ Mael drückte seinen alten Freund an sich und klopfte ihm aufmunternd auf den Rücken.
Dann rief er seiner Familie zu: „Mailys, Kinder, kommt, es ist Zeit zum Aufbruch.

Ihr habt euren Vater gehört. Los, auf auf! Trödelt nicht. Elave, nimm bitte deine Schwester an die Hand. Lukas, nimm den Korb mit zu Vater auf den Bock. Ich habe euch ein paar Schmalzbrote gemacht und eine Flasche vom Apfelwein des alten Ohms dazugelegt“, Mailys lächelt ihrem Ältesten zu. Er hat sich gut gemacht, dachte sie stolz bei sich. „Natürlich, Mutter. Danke.“ Lukas nahm den Korb und kletterte zum Vater hoch auf den Kutschbock.

Ich will aber nicht mit“, die kleine Myrte quengelte und zog an Elaves Hand. „Ich will hier bleiben. Und Fredi auch!“ Fredi war die kleine handgenähte und knopfäugige Puppe in Myrtes Arm, die ihr Elave zu ihrem fünften Geburtstag genäht hatte und die in den letzten zwei Jahren so einiges auszustehen gehabt hatte. „Ich glaube, Fredi möchte gerne mal die wollhaarigen Mammuts sehen, von denen der Fremde sprach. Die mit den beiden Schweifen. Dem kleinen an seinem Hinterteil, mit dem er Fliegen verscheucht, und dem großen an seinem Kopf gegen die dicken Brummer!“ Beim Wort ‚Brummer‘ beugte sich Elave zu ihrer kleinen Schwester herunter und machte an ihrem Ohr das feuchte Summen einer dicken Fliege nach. Augenblicklich begann Myrte zu lachen und zu giggeln und quietschte auf: „Iiiiiiiieh, das kitzelt!
Elave schaute sie vergnügt an: „Na, was ist nun? Wollen wir zu den Mammuts?“ „Aber nur Fredi zu liebe“, betonte Myrte und ließ sich dann widerstandslos von Elave in den Planwagen heben, in dem und an dem und unter dem alles geladen war, was der Familie nach dem Brand noch geblieben war. Drinnen hatte Mutter es allen schon mit Decken und Kissen bequem gemacht. Elave kletterte als letztes hinein, als ihr Vater schon die Zügel knallen ließ und mit der Zunge schnalzte. Rumpelnd setzte sich der schwer beladene Wagen in Bewegung.

Das halbe Dorf war gekommen und winkte der Familie aus ihrer Mitte nach. Fast jeder hatte etwas beigesteuert: Ein wenig Proviant, eine Flasche Apfelwein, frischgebackenes Brot - sogar ein gedeckter Apfelkuchen war dabei. Auch Sämereien. Und sogar ein Apfelschößling, den Vater bei ihrem neuen Heim pflanzen wollte.

~ * ~


Im Schatten eines Baumes außerhalb des Dorfes stand ein kleiner blonder Junge und weinte vor Wut über sich selbst und Traurigkeit. Hätte er sich doch bloß nicht mit Elave erzürnt. Sie war seine beste Freundin gewesen, ja, eigentlich sogar seine einzige richtige Freundin.
Als kleines Kind hatte er den Keuchhusten. Daher war er etwas schwächlicher als die anderen Jungs. Sie wollten nicht mit ihm spielen, weil er oft nicht mithalten konnte.
Ganz anders Elave. Sie verstanden sich vom ersten Moment an. Obwohl er mit seinen nun zwölf Jahren auch noch zwei Jahre jünger war als Elave, hatte das für sie nie eine Rolle gespielt. Mit ihr konnte er Abenteuer erleben. Sie kämpften gegen Drachen und Meeresungeheuer oder waren Rothwardonen-Seeräuber. Lukas, Elaves älterer Bruder, hatte ihnen sogar in einem Apfelbaum ein Baumhäuschen gebaut. Ein Versteck, in dem sie alle Unternehmungen planen konnten. Und ständig war Elave etwas Neues eingefallen. Einmal kam sie mit einer Schatzkarte - die sie selbst gezeichnet hatte - und sie gingen einen ganzen Tag den Hinweisen nach, bis sie schließlich das Schatzkästchen fanden - das Elave selbst versteckt hatte: Eine kleine Schachtel voller goldgelber Honigbonbons.
Und noch vor ein paar Wochen - vor dem großen Feuer - hatten sie sich oben im Baumhaus ewige Treue geschworen. Nur deshalb war er ja so wütend geworden, als sie ihm erzählte, dass sie mit ihrer Familie fortgehen würde.
Nur deshalb hatten sie die letzten verbliebenen Wochen nicht miteinander geredet, ging er ihr aus dem Weg. Und nun fuhr sie fort und es war zu spät für eine Verabschiedung.
Wehmütig blickte Jannik dem Planwagen nach.
Was war das? Elave schaute hinter der Plane hervor, sah sie ihn? Sie schien genau in seine Richtung zu schauen. Sie streckte ihre Hand heraus und ließ etwas fallen. Dann verschwand sie wieder hinter der Plane und der Wagen hinter einer Hügelkuppe.
Jannik lief los, so schnell er eben konnte. Keuchend und japsend kam er an die Stelle, an der Elave etwas fallen gelassen hatte. Schluckend hob er den zarten geflochtenen Kranz aus Gänseblümchen von der aufgewühlten Erde des Weges auf.
Er drückte den Kranz fest an seine Brust und weinte leise. Er würde ihn in dem Poesiealbum, dass Elave ihm einst gegeben hatte, und in dem er fortan alle Blumen und Kräuter gepresst hatte, die sie ihm erklärt hatte, für die Ewigkeit aufbewahren.

~ * ~

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Mittwoch, 5. Februar 2014, 22:51

Auf Reisen

Es war ein lauer Turdasmorgen. Tau lag noch auf dem gelblicher gewordenem Gras, als Elave barfuss aus dem Planwagen kletterte und sich streckte. Die Luft roch anders hier. Irgendwie frischer, klarer, vielleicht auch wilder. Das feuchte Gras kitzelte an den Füßen und Knöcheln.
Am Lagerfeuer saß Lukas, auf Vaters alte Holzfälleraxt gestützt, eine Decke um die Schultern. Vater und er teilten sich die Nachtwache.
Mutter hatte bereits begonnen das Frühstück zuzubereiten. Aus den letzten Eiern hatte sie eine große Pfanne Rührei für alle gemacht. Für Vater und Lukas gab es dazu den Rest vom Schinkenspeck, knusprig gebraten. Bohnenmus und Tomatenstückchen schmorten in einer anderen Ecke der Pfanne. Elave lief das Wasser im Mund zusammen.
Vaters sonoriges Schnarchen drang noch unter dem Wagen hervor. Dort schliefen er und Lukas, während Mutter und die beiden Mädchen im Wagen ihr Lager hatten.
Auch Myrte schlief noch, eingekuschelt in ihre und Elaves Decke, Fredi fest an ihre Brust gedrückt.

~ * ~


Elave ging fröhlich summend zum plätschernden Gebirgsbach, der parallel zum Weg verlief, Handtuch, Kernseife und die Haarbürste, die ihr Lukas vor einigen Jahren - selbst angefertigt - zum Geburtstag geschenkt hatte, in der Hand.
Am Bach öffnete sie den geflochtenen Haarkranz und ließ ihre langen blonden Haare herabfallen. Dann streifte sie sich das Leinennachthemd ab und testete mit den Zehenspitzen das Wasser. Es war eiskalt. Der Bach war nicht besonders tief, vielleicht einen Meter zur Mitte hin und vielleicht 15 Meter breit, aber die Strömung recht stark. Vorsichtig ließ sich Elave in das kalte Wasser gleiten, stakte um Haltung bemüht auf den meist glatten Flusskieseln ins tiefere Wasser. Die Kälte ließ auch noch den letzten Schlaf verfliegen.
Ein paar Bachforellen, die gegen die Strömung standen, nahmen huschend reißaus.
Im Fluß hockend begann Elave sich zu waschen. Das wilde Wasser zog an ihr. Es war herrlich erfrischend. Ganz anders als im Badezuber im alten zuhause. Einen Moment schloß sie die Augen, stemmte sich mit dem Rücken gegen die Strömung.
Als sie die Augen wieder öffnete fuhr sie zusammen, verlor einen Moment den Halt und gluckste unterwasser. Am gegenüberliegenden Ufer stand eine Gruppe großgewachsener, stämmiger Männer, die bärtigen Gesichter bemalt, und starrten sie unschlüssig an. Elave rappelte sich auf und kämpfte sich rasch gegen die Strömung zum diesseitigen Ufer, den Blick zu den Männern, die weiter unbewegt dastanden.
Es knackte am Ufer vor ihr, sie fuhr herum…
Da bist du ja”, maulte eine schläfrige Myrte, die Puppe an einem Arm haltend in der einen Hand, mit der anderen die Augen reibend. “Das Frühstück ist fertig, soll ich dir sagen. Und darf ich deine Haare bürsten und flechten?
Elave kletterte hastig ans Ufer zu Myrte, griff sich ihr Nachthemd und streifte es schnell über. Sie wollte Myrte gerade hochheben und zur Lagerstatt laufen, als sie bemerkte, dass die Männer verschwunden waren.
Hatte sie sich das alles nur eingebildet?
Noch immer durcheinander nahm sie Myrte an der Hand, sagte nur ein knappes abwesendes “Ja”, und ging mit ihr zum Lagerplatz, wo die anderen bereits vergnügt um das Feuer beim Frühstück saßen.

Die Stimmen und das Lachen der Familie vertrieben ihre Sorge und verdrängten das Geschehen. Elave entschied sich den anderen nichts davon zu erzählen. Ganz sicher war sie sich nun auch gar nicht mehr, ob sie sich das alles nicht nur eingebildet hatte.

~ * ~


Nach dem Frühstück berieten Vater, Mutter und Lukas, wie die Fahrt am besten weitergehen sollte, während Elave auf Myrte aufpasste und sich ihr Haar von ihr Bürsten und zu zwei viel zu strammen Zöpfen flechten ließ.
Es lag ein steiler Passweg durch die Berge vor ihnen. Vater war sich nicht ganz sicher, ob sie Himmelsrand bereits erreicht hätten, oder ob es erst hinter den Bergen beginnen würde, seine Karte war zu ungenau dafür.
Aber stimmte die Karte, so würde hinter den Bergen ein Weg nach Süden führen, dem sie folgen konnten.

Vater spannte Rosi, das kräftigste Pferd des Dorfes, dass er für die Reise gegen die Ziegen und Hühner eingetauscht hatte, wieder vor den Wagen. Mutter und Lukas luden einige leichtere Dinge vom Wagen ab und machten jedem ein Bündel daraus. Selbst die kleine Myrte musste etwas tragen. “Sonst schafft es die Rosi nicht hinauf”, hatte Vater ihr gesagt, als sie begann zu quengeln.

Elave nahm Myrte bei der Hand, beide schlenderten hinter dem Wagen den Bergweg hinauf. Elave war stolz, dass sie die wichtige Aufgabe bekam, sich um Myrte zu kümmern. Das war für Mutter eine große Hilfe.
Mal sang sie der kleinen Schwester Lieder vor, und brachte sie zum mitsingen, mal spielten sie ‘Ich sehe was, was du nicht siehst’. So lenkte sie nicht nur Myrte von den Strapazen des beschwerlichen Weges ab, sondern auch sich selbst von dem Ereignis am Fluss.

~ * ~

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Donnerstag, 6. Februar 2014, 23:07

Zwei Tage war es her, als sich der Weg das letzte Mal gabelte. Der Weg, den Vater gewählt hatte, folgte dem Bergkamm. Der Wind pfiff scharf über die Anhöhe, Bäume knarrten und knatschten. Wolfsgeheul begleitete sie Tag und Nacht, mal dichter, mal weiter weg.
Tagsüber sammelten Myrte und Elave rechts und links am Wegrand Beeren, Pilze und Kräuter, immer möglichst nah am Planwagen bleibend. Abends saß die Familie dicht um das Lagerfeuer herum. Stockfisch und Stockbrot, zusammen mit dem Gesammelten, war ihr Abendessen.
Es schliefen nun alle im Planwagen, außer dem, der gerade Wache hatte.
Elave hatte gesehen, wie Vater und Lukas am Nachmittag gestritten hatten. Auch wenn sie nichts verstanden hatte, ahnte sie, worum es ging. Beide schauten auf Vaters Karte, Vater deutetete immer wieder heftig auf eine Stelle der Karte. Lukas wollte aber wohl am liebsten umkehren bis zur Gabelung und dann dem anderen Weg folgen.
Schließlich legte Vater Lukas beide Hände auf die Schultern und schaute ihn eindringlich bittend an. Lukas gab nach.
Der Weg führte sie bisher immer weiter hinauf in die Berge. Die Landschaft wurde karger. In der Ferne sah man bereits schneebedeckte Hänge.

~ * ~


Elave wurde wach. Irgendetwas hatte sie aufgeschreckt. Sie blinzelte, damit sich die Augen an die Dunkelheit im Planwagen gewöhnten. Die anderen schliefen noch.
Draussen war es, bis auf das Lagerfeuer, finster. Mond und Sterne waren irgendwo da oben von Wolken verhangen.
Es war Lukas Wache.
Elave zog dicke wollene Socken, die Mutter extra für die Reise gestrickt hatte, an und darüber ihre festen Stiefel. Dann legte sie sich noch ihren Mantel um und griff ihre Decke. So kletterte sie aus dem Wagen.
Lukas saß auf einem großen Stein, den er extra dafür an das Feuer gerollt hatte. Den Kopf auf seine Hände gestützt, die Axt über seine Beine gelegt... und gab leise Schlaflaute von sich.
Elave legte ihm ihre Decke über die Schultern. Schlafen konnte sie sowieso nicht. Warum sollte nicht sie auch einmal Wache halten?
Es war unheimlich hier draussen. Hin und wieder huschten Schatten um das Lager, dunkler als die Dunkelheit. Schnüffeln war zu hören. Manchmal ließ das Lagerfeuer ein oder mehr Augenpaare aufblitzen, die zum Lager starrten. Folgten die Wölfe ihnen? Ans Lagerfeuer trauten sie sich jedenfalls nicht näher heran.
Schnell legte Elave etwas Holz nach. 'Lass bloß nicht das Feuer ausgehen', dachte sie insgeheim.

~ * ~

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Sonntag, 9. Februar 2014, 23:39

Vater und Mutter waren sehr still geworden. Lukas versuchte sich nichts anmerken zu lassen, um die Mädchen nicht zu beunruhigen, aber auch Elave war nicht entgangen, dass ihr Proviant beinahe aufgebraucht war. Allein Myrte schien kein Wässerchen trüben zu können. Wenn sie rasteten, servierte sie Fredi Tannenzapfenkuchen und Lufttee aus einer imaginären Teekanne, und plauderte mit ihm über die Strapazen einer solchen Reise und darüber, dass sie in ihrem neuen Zuhause ganz sicherlich ein eigenes Pony bekäme, auf dem sie mit Fredi ausreiten würde. Myrte zuzusehen und zuzuhören wärmte die Herzen der anderen und machte ihnen Mut.
In solchen Momenten griff Vater Mutters Hand und drückte sie sanft. Und Mutter begann manchmal ein leises sehnsuchtsvolles Lied aus der alten Heimat zu singen.

Heute begann es zu schneien. Myrte und Elave tanzten gemeinsam durch die Flocken.
Das Nachtlager schlugen sie im Erdgeschoss eines alten und teilweise verfallenen Wachturms am Wegesrand auf. Vater und Lukas hatten den Turm zunächst vorsichtig und mit Dolchen und Äxten bewaffnet in Augenschein genommen. Er schien schon lange verlassen worden zu sein. Ein wenig schmutziges Stroh, Säcke mit undefinierbarem Inhalt, zerbrochene Flaschen und ein zertrümmertes Fass - mehr war dort nicht mehr zu finden. Die Treppe in die oberen Stockwerke war Morsch, teilweise eingefallen; die Spitze des Turms lag irgendwo den Hang abwärts zwischen den Bäumen.
Mutter und Elave trugen allen Unrat hinaus hinter den Turm, und bereiteten dann im Inneren gemütliche Nachtlager rund um ein Lagerfeuer, dass Vater aufgeschichtet hatte. Eine Zwiebelsuppe, etwas Hartkäse dazu, das war alles, was es an diesem Abend zu essen gab. Und doch schmeckte es allen, als wäre es ein Festmahl am Hof des Königs.

~ * ~


Lukas hatte die erste Wache übernommen. Er war in eine Fensternische geklettert, die sich oberhalb des Eingangs in den Turm befand. Von dort aus konnte er die ganze Straße im Blick behalten. Als alle anderen eingeschlafen waren, kam Elave zu ihm hinauf geklettert. "Na, kleiner Schmetterling? Du wirst ja noch zum Nachtfalter", witzelte Lukas, weil Elave nun schon seit über einer Woche während seiner Wache dazu kam. Schmetterling nannte Lukas sie erst seit etwa zwei Jahren. Vorher stichelte er immer und nannte sie Raupe. Als Elave ein Neugeborenes war, war sein Ausspruch, als sie ihm, bis auf das knitterige rote Babygesicht in Tücher gewickelt, vorgestellt wurde, wohl ein einfaches "Raupe". Da die Eltern diese Geschichte immer wieder erzählten nahm Lukas es auf und neckte sie damit. Vor ein paar Jahren aber sagte er - sich erwachsen fühlend, weil Vater ihm mehr Verantwortung in der Werkstatt übertrug - nun könne er Elave nicht mehr Raupe nennen, aus der Raupe wäre ein Schmetterling geworden. Da Elave aber just an dem Tag zuvor von einem Jungen aus dem Dorf dessen Sammlung aufgespießter Schmetterlinge gezeigt bekommen hatte, reagierte sie wohl nicht ganz so, wie es sich Lukas bei diesem Versuch eines Kompliments vorgestellt hatte. Trotzdem behielt er es bei, und Elave war es später allemal lieber, als 'Raupe'.

"Unsere Vorräte sind fast aufgebraucht", Elave wollte zeigen, dass sie sich der Probleme der Familie durchaus bewusst war und keineswegs davor geschützt werden musste. "Ich weiß", Lukas seufzte. "Vater ist überzeugt, dass wir morgen oder spätestens übermorgen eine Siedlung, einen Handelsposten oder wenigstens eine Einsiedelei erreichen. Er sagt, er habe Rauch hinter den Wipfeln gesehen. Rauch aus einem Kamin." Elave nickte nur bei den Worten ihres Bruders. Ein bißchen klang er, als wolle er ihr doch nur Mut machen. "Seit über einer Woche ist uns niemand mehr begegnet. Und alle Wachtürme oder Hütten, die an unserem Weg lagen, waren entweder verfallen oder niedergebrannt. Oder beides. Und Vorräte waren auch keine mehr darin." Lukas seufzte erneut. Seine Schwester hatte leider recht. Ausser ein paar leeren aufgeschlitzten Säcken oder ein paar zertrümmerten Fässern hatten sie nichts gefunden.
Elave fuhr fort: "Und seit über einer Woche ist uns niemand mehr begegnet. Wenn wir uns einer Siedlung näherten, müssten uns dann nicht wenigstens gelegentlich einmal andere Reisende oder fahrende Händler begegnen?" Das hatte sich Lukas auch schon gefragt. Er teilte die Sorge seiner Schwester.
"Morgen erreichen wir die Schneegrenze. Bisher fanden Mutter, Myrte und ich immer noch ein paar Pilze oder Beeren als Dreingabe für das Essen, aber wie soll es dann weitergehen?" "Ich...", Lukas klang etwas unsicher, "... ich habe gestern eine ordentliche Rute aus einem Haselbusch geschnitten. Ich möchte daraus einen Bogen bauen. Du weisst schon, so wie die, mit denen wir früher auf der Wiese gespielt haben. Vielleicht kann ich uns etwas jagen. Ein Reh könnte ich wohl treffen, wenn ich nahe genug heran käme." Jetzt klang er schon zuversichtlicher. "Ich habe allerdings nichts, was ich als Sehne benutzen kann", diesmal seufzte er tief.
"Ich habe noch etwas Zwirn auf der Spule. Wenn ich ein paar Stränge davon verdrehe, kann ich dir eine Kordel daraus machen. Für ein paar Schuß wird es wohl reichen", Elave, froh über eine nützliche Aufgabe, drehte sich um und rutschte aus der Nische nach innen. "Ich bin gleich wieder da."

~ * ~

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Elave« (11. Februar 2014, 23:59)


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Freitag, 14. Februar 2014, 00:44

Es schneite bereits den ganzen Tag. Dicke, feuchte Flocken. Der Schnee knirschte unter den schweren Rädern des Fuhrwerks. Trotz ihrer Mäntel froren Myrte und Elave hinten im Wagen und krochen zur Mutter unter die gefütterte und gesteppte Decke, die sie zum Abschied von einigen Frauen aus dem Dorf bekommen hatte. Lukas führte Rosi am Halfter den rutschigen Weg endlang, während Vater die Zügel locker ließ. Auch wenn er sich nichts anmerken lassen wollte, und ab und zu nach hinten in den Wagen lächelte, war es Elave nicht entgangen, wie er vor Kälte auf dem Kutschbock zitterte. Und in seinem mittlerweile struppigen Bart hingen Schnee- und Eisklumpen.
Vor gar nicht all zu langer Zeit hatten sie ein Licht in einiger Ferne vor sich gesehen. Sofort schrien und riefen sie alle aus vollem Halse, aber das Licht entfernte sich immer weiter, und bald war es ganz verschwunden.

Der Wind heulte, zerrte an der festgezurrten Wagenplane. Jedesmal, wenn der Sturm die Plane anhob, stob eisig-schneidiger Schnee herein. Myrte hatte Fredi fest an sich gedrückt und kuschelte sich zwischen Mutter und Elave.
Bei jeder Unebenheit auf dem Weg knarzte das Holz des strapazierten Wagens. Plötzlich kam der Wagen zum Stillstand. Lukas schaute herein, seine Wangen waren rot und violett von der Kälte, seine Augen tränten und seine Nase triefte. Trotzdem versuchte er Zuversicht auszustrahlen. "Nur eine Schneewehe", sagte er, griff die Schaufel und verschwand wieder nach draussen.
Eine Schneeverwehung versperrte den Weg. Vater und Lukas versuchten den Weg irgendwie mit Schaufel und Händen freizubekommen, während der Sturm weiteren Schnee am Wagen anhäufte. Myrte fror und weinte.
Nach einer Weile schaute Vater herein. "Elave, passt du bitte einen Moment auf deine Schwester auf? Ich muss mit Mutter etwas besprechen." Behutsam schob Mutter Myrte in Elaves Arme, zog ihren Mantel fester um sich, setzte die Pelzmütze auf, zog Handschuhe an, und folgte Vater nach draussen. Viel verstehen konnte Elave nicht im Wagen. Vater, Mutter und Lukas beratschlagten sich anscheinend. Wieder war das Geräusch der Schaufel zu hören, diesmal direkt neben dem Wagen. Vorne schien Vater Rosi abzuschirren. Mutter schaute in den Wagen, lächelte nur und fing an einige Decken und Kleidungsstücke zusammenzupacken, auch die Öllaterne und die Vorräte, dann verschwand sie wieder. Unter dem Wagen war ein Scharren und Ächzen zu hören.
Dann tauchte Vaters Gesicht am Wagenende unter der Plane auf. "Reich mir Myrte herunter, Elave", sagte Vater mit ausgebreiteten Armen. "Wir haben uns eine gemütliche Höhle unter dem Wagen gebaut, in der wir den Sturm abwarten. Und nimm alles an Decken und Mänteln mit, was du noch finden kannst."
Elave tat, wie es Vater ihr auftrug. Mit einem unguten Gefühl im Magen sammelte sie alles zusammen und folgte dann den beiden. Lukas wartete schon auf sie und half ihr herab.
Es war noch viel eisiger, als es sich Elave vorgestellt hatte. Der Wagen steckte mittlerweile fast bis an die Plane im Schnee. Auf der Wind abgewandten Seite gab es einen kleinen Durchgang zwischen Vorder- und Hinterrad unter den Wagen. Elave kroch auf allen vieren hindurch, dicht gefolgt von Lukas, in eine Schneehöhle unter der Kutsche. Der Boden, sogar die Seiten waren mit Decken und Mänteln ausgelegt. Es war hier drinnen viel ruhiger, vom Sturm kaum etwas zu hören. Und es war wärmer.
Lukas verstopfte den Eingang mit einem Sack schmutziger Wäsche.
Stille. Dunkelheit. Atmen. Ein aufflackern. Vater entzündete die Laterne, die in der Mitte auf dem Boden stand. Er sah erschöpft aus, aber friedlich. Lukas schneuzte sich die Nase. Auch er war gezeichnet vom Eis und Schnee.
Die Laterne verbreitete ein wenig wärme. Genug, um die kleine Höhle mit der fünfköpfigen Familie aufzuheizen. Mutter schnitt die restlichen Äpfel klein und verteilte sie an jeden. Niemand sagte ein Wort.
Myrte schlief als erstes ein, Fredi noch immer fest an sich gedrückt, den Kopf auf dem Schoß der Mutter. Dann Lukas. "Gute Nacht, Kinder. Gute Nacht, mein Herz", sagte Vater und löschte die Laterne, "Mara wache über unseren Schlaf."

~ * ~

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Samstag, 15. Februar 2014, 06:53

Wie lange sie geschlafen hatte, wusste Elave nicht. Einen Moment lang war sie orientierungslos, dann erinnerte sie sich, wie die ganze Familie in eine Schneehöhle unter dem Wagen gekrochen war. Es war warm in der Höhle. Das pfeifen des Windes draussen war nur noch schwach zu hören. Die Höhle war angefüllt mit den leisen, regelmäßigen Schlafgeräuschen der anderen.
Wie es wohl Jannik ginge? Und den anderen im Dorf? Ob sie wohl manchmal an Elave und ihre Familie dachten? Wenn sie ein neues Heim gefunden hatten, hatte Elave viel, was sie Jannik schreiben konnte. Sie befand sich auf dem größten Abenteuer ihres Lebens. Bestimmt würde ihr Jannik nicht die Hälfte von dem glauben, was ihr bereits alles auf der Fahrt passiert war. Wie lange würde wohl ein Brief brauchen von dort, wo sie sich niederlassen würden bis in ihr altes Dorf? Plötzlich beschlich Elave ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ein Gefühl, dass sie so noch gar nicht kannte. Es fühlte sich flau an in ihr. Und leer. Und sehnsüchtig. Sie hatte heimweh.
Alles wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn sie sich richtig von Jannik hätte verabschieden können. Sie hatte gehofft, er würde noch einmal zu ihr kommen, bevor sie fortfuhren. Natürlich hatte sie ihn gesehen, als sie abfuhren. Aber das machte es nur noch schwerer. Am liebsten wäre sie nochmal vom Wagen gesprungen und hätte ihn zum Abschied gedrückt. Aber es war zu spät. Und jetzt sowieso.
Beim Gedanken an Jannik schmerzte es ihr in der Brust und ihre Kehle schnürte sich zu. Was war das nun wieder für ein Gefühl? Eigentlich sollte sie doch Freude empfinden, wenn sie an all die schönen Erlebnisse mit ihm dachte.
Hoffentlich würde er sich über einen Brief von ihr überhaupt freuen. Hoffentlich würde er ihn lesen. Sie hatte ihm soviel zu erzählen.

~ * ~

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Samstag, 15. Februar 2014, 15:53

Jäger

Als sie von ihrem Vorhaben erzählt hatte, wurde sie nur ausgelacht und mit Häme überschüttet. Aber Vaynivah glaubte fest daran, dass es sich lohnen würde.

Sie war es so satt in die stinkenden Sümpfe zu ziehen. Seit einiger Zeit fürchteten die Echsen die Sklavenjäger nicht mehr so, wie es früher war. Nicht wenige versuchten sich zur wehr zu setzen, verteidigten ihre Dörfer und Brutstätten. Aber sie kämpften keineswegs offen. Bei jedem Fleischfliegenstich musste man befürchten, dass es sich in Wahrheit um einen giftgetränkten Pfeil dieser verfluchten Schuppenhäuter handelte, irgendwo aus einem Hinterhalt mit einem Blasrohr präzise an sein Ziel gebracht.
Auf dem Untermarkt hatte ein alter Sklavenjäger ihr erzählt, wie er und seine Kameraden von solchen Pfeilen gelämt wurden, wie die Echsen ihnen dann bei lebendigem Leibe die Ohren abschnitten und sie hilflos und blutend als Fressen für die artenreiche Fauna der Schwarzmarsch zurückließen. Er selbst habe nur überlebt, weil die Fresser sich bereits an seinen Kameraden satt gefressen hatten, bevor er an der Reihe gewesen war. Das Gift ließ irgendwann nach, und er schleppte sich davon. Dann hatte der Mann sein Kopftuch abgenommen und ihr die vernarbten Stellen gezeigt, an denen einmal seine Ohren waren.
Aber auch ohne solche Schauergeschichten verabscheute sie die Sümpfe. Sie selbst hatte schon Männer und Frauen unter ihrem Kommando an Blutfäule, Sumpffieber und Schwindschwäche verloren. Sie musste die Erkrankten erlösen, damit die übrigen heil mit der Beute zurückkehren konnten.
Und hatte man es dann einmal geschafft mit ausreichender Beute heimzukehren, dann machte ein Drittel der Echsen bereits schlapp, bevor man sie an eine Plantage verkaufen konnte. Sie starben nicht etwa an Entkräftung, nein, sie waren so sehr mit ihrem übelriechenden Sumpfloch verbunden, dass sie den Gedanken nicht ertrugen, es niemals mehr wiederzusehen.

Nein, all das sollte der Vergangenheit angehören. Nie wieder Sumpf. Nie wieder jagd auf Echsen. Sie wollte Menschen fangen. Nicht die rauhen Nord. Oder zumindest nur in Ausnahmefällen. Die bereiteten auch zuviele Probleme, waren unbändig, und ihre Familien nachtragend. Was sie wollte, waren Bretonen. Das waren Menschen nach ihrem Geschmack. Ein Volk von Dienern. Geborene Sklaven. Bretonen fürchteten sich vor den Dunmer. Aber sie liefen nicht weg, und schon gar nicht griffen sie zur Waffe. Sie warfen sich einfach zu Boden und winselten um Gnade! Dabei waren sie nichteinmal schwach und kaum brauchbar. Im Gegenteil: Ihre Unterwürfigkeit schien ihnen noch zusätzliche Stärke zu verleihen! Je schlechter man sie behandelte, um so besser dienten sie einem, als sehnten sie sich nach unerreichbarer Anerkennung.
Ihre Männer konnten kräftige Minenarbeiter sein, waren aber auch oft geschickte Handwerker. Und waren sie schwächlicher, so konnte man sie durchaus zu Lustknaben heranziehen, willig an den Lippen ihrer Herrinnen oder Herren hängend, durchaus musisch begabt, sich vollkommen selbst aufgebend.
Als sie einmal ein kleines Rudel Echsen zu einer Plantage gebracht hatte, lud der Plantagenbesitzer sie zum Abendessen ein. Während sie speisten sang mit glockenhellen Stimmen ein bretonisches Kastratenquintet dazu, das er sich selbst herangezogen hatte. Sie war damals sehr beeindruckt.
Und die bretonischen Frauen? Sie waren beinahe noch vielfältiger einzusetzen. Man konnte ihnen die niedersten Aufgaben geben, sie versuchten sie stets zur vollen Zufriedenheit ihrer Herren zu erledigen. Strafen beklagten sie nicht, sondern ertrugen sie, davon ausgehend, dass sie sie wohl verdient hätten. Wegen ihrer Weichheit und Wärme waren sie bei manchem beliebt, um das Bett anzuwärmen und zur Bequemlichkeit beizutragen. Auf vielfältige Weise konnten sie einem Lust und Entspannung bereiten. Wer sie aber nur dafür verwendete, der vegeudete wahrlich Ressourcen. Bretonische Frauen lernten unglaublich schnell. Konnten die meisten bereits annehmbar kochen, so lernten sie auch schnell neue Rezepte, die ihren Meistern mundeten. Sie konnten eine fremde Sprache rasch begreifen und verstehen, oft sogar irgendwann sprechen. Viele konnten lesen und schreiben. Wäsche waschen, putzen... es gab einfach nichts, was man ihnen nicht beibringen konnte, wenn sie es nicht ohnehin schon vermochten. Kein Wunder, dass sie auch gerne zur eigenen Sklavenzucht verwendet wurden.
Und Männer wie Frauen waren äußerst genügsam zu halten. Sie brauchten wirklich nicht viel. Ein Stall genügte als Unterbringung, gelegentlich etwas frisches Stroh als Untergrund. Vor allem aber: Sie starben nicht an "heimweh", wie diese verfluchten kalten Echsen.

Und sie aßen alles, was man ihnen vorsetzte. Wieder ohne zu klagen.
Die schlanke Dunmer schaute auf ihre Beute. Zusammengekauert und mit der nötigen Verängstigung, die ihr das Gefühl gab, sie werde angemessen respektiert für ihre Arbeit, saßen die Menschenmännchen im Schnee, aßen mit den Fingern 'Pams' aus ihren hölzernen Fressnäpfen.
Es hätten mehr sein können, für die lange Reise und all den Aufwand, aber sie war nicht unzufrieden. Ein halbes Dutzend, und sie war guter Hoffnung, dass sie alle lebend zum Sklavenhändler bringen würde.
Angewiedert wandte sie sich ab. Für nichts auf der Welt würde sie dieses 'Pams' herunterwürgen können. Aber die Sklaven hielt es bei Kräften. Hauptsächlich bestand die breiige Pampe aus Hafergrütze mit ganz viel Schweinefett. Reichlich Energie, die die Beute auf den Beinen hielt. Da sie schon eine Weile unterwegs waren, war das Fett bereits ranzig. Eine Beleidigung ihrer empfindlichen Nase.

~ * ~

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Montag, 17. Februar 2014, 23:07

Beute

Elave erwachte erneut aus unruhigem Schlaf. Die Laterne brannte wieder. Mutter und Vater teilten die restlichen Voräte, die sie mit unter den Wagen genommen hatten, auf. Lukas hatte ein armdickes Loch durch den Schnee nach aussen gegraben, durch das etwas frische Luft in die Höhle drang. Myrte lag immer noch an Mutter gekuschelt und hatte die Augen geschlossen.
Der Sturm hatte nachgelassen. Draussen war dunkle Nacht. Ein Wiehern war zu hören, was zumindest verriet, dass wohl auch die brave Rosi das Unwetter überstanden hatte.
"Wir bleiben noch bis Tagesanbruch hier unter dem Wagen. Dann gehen zunächst Lukas und ich hinaus, und schauen nach, wie schlimm es uns erwischt hat", erklärte Vater.
Das karge Mahl nahmen alle schweigend ein. Hätten sie es mehr genossen, wenn sie gewusst hätten, dass es für eine lange Zeit das letzte Mal war, dass sie Brot und Butter aßen?
Nach dem Essen begann Mutter zunächst ein leises Summen, um die Stille zu brechen. Langsam folgten die anderen - erst Elave, dann Myrte, schließlich auch Vater und zuletzt Lukas. Sie alle kannten natürlich die Melodie. Es war ein Heimatlied, dass die Schönheit von Hochfels besang. Als alle summten begann Mutter mit fester, klarer Stimme die Strophen des Liedes zu singen. Bald stimmten Vater und Elave mit ein, Lukas und Myrte bildeten weiter durch ihr Summen den Hintergrund.

Ein Poltern ließ sie alle zusammenfahren und verstummen. Mutters Töpfe oben im Wagen waren umgestoßen worden. Stiefelsohlen knallten auf den Wagenboden. Das müde Holz des Wagens knarzte unter den nun leiseren Schritten. Jemand durchsuchte den Wagen. Stimmen waren zu hören, allerdings war nichts zu verstehen.
"Wir sind gerettet", rief Vater aus, "Wir sind gerettet!" Alle fingen sie an zu rufen und von unten an den Wagenboden zu klopfen. "Hier sind wir. Hier drunter", riefen sie aus vollem Halse. Lukas fing an Schnee vom Eingang wegzuschieben. Er war noch nicht weit gekommen, als der Kleidersack aus dem Eingang gezerrt wurde.
Erst Dunkelheit. Dann erschien ein Kopf im Eingang, gehüllt in eine gefütterte Kaputze, das halbe Gesicht mit einem Schal verdeckt. Aus aschefarbenem Gesicht funkelten zwei rote Augen in die Schneehöhle. Der Fremde sah sich nur kurz um, dann sagte er mit der gedehnten Stimme eines Fremdsprachigen: "Ja, ihr seid gerettet." Dann lachte er, aber es lag keine Wärme in dem Lachen.

~ * ~


Drei Tage war es her, als Vaynivah, ihre Männer und ihre Beute an einen verlassenen Wachturm der Nord gekommen waren. Man musste keine besonders gute Fährtenleserin sein, um festzustellen, dass hier erst vor kurzem jemand gerastet hatte. Sie ließ R'on die Beute bewachen, schickte Helik und Ziron aus, um die Umgebung auszukundschaften und betrat schließlich selbst mit Ulpar den Turm.

Der Turm wirkte regelrecht aufgeräumt. Sämtlicher Unrat war nach draussen getragen worden. Um die Feuerstelle war ein ordentlicher Steinkreis gelegt worden, und vor Aufbruch war das Feuer offenbar noch mit Sand überschüttet worden. "Menschen", sagte Ulpar. Und keine Nord, dachte sich Vaynivah angesichts der aufgeräumten Ruine. Helik kam herein gestürzt. "Ein Wagen. Schwer beladen. Nur ein Pferd. Eine Stiefelspur neben dem Wagen", er schnappte nach Luft, "und sie sind höchstens einen halben Tag vorraus." Ulpar untersuchte den Boden. "Hier waren fünf Schlafplätze. Mindestens zwei Kinder. Vielleicht eine Familie."
Vaynivah spürte die erwartungsvollen Blicke ihrer Männer auf sich. Sie warteten auf eine Entscheidung. "Holt die Beute herein und sichert den Turm", befahl sie. "Vier Stunden Rast, dann folgen wir der neuen Beute." Sie frohlockte. Eine bretonische Familie. Das wäre mehr als nur das Sahnehäupchen auf ihrer Beuteliste. Damit wäre ihr der Neid der anderen Gruppenführer gewiß, die sich noch vor ein paar Monaten so sehr den Mund über sie zerrissen hatten... ganz zu schweigen von dem riesigen Sack Gold, den ihr diese Beute einbringen würde. Sie würde eine Ewigkeit brauchen, um alles zu verprassen.

Und dann hatte es länger gedauert, als sie erhofft hatte. Sie trieb ihre bisherige Herde Menschen hart an, aber sie wollte sie auch nicht zu sehr beschädigen. Es war noch ein weiter Weg nachhause und zu den Sklavenhändlern. Und dann auch noch der Sturm. Sie hatte gehofft, der Sturm würde für sie arbeiten, und sie hatte recht behalten. Wie so oft in letzter Zeit. Stolz erfüllte ihre Brust, sie war endlich auf der Strasse des Erfolgs angelangt. Sie war mit Helik und Ziron vorausgegangen, während Ulpar und R'on mit der restlichen Beute langsamer folgten. Ulpar konnte sie am meisten vertrauen, denn ihm hatte sie am meisten von sich gegeben, damit er mitkäme.

Der Wagen tauchte vor ihnen auf, halb vom Schnee vergraben. Zweifel kamen in ihr auf. Sie würden doch wohl nicht alle gestorben sein?
Aber als sie näher kamen, war ein vielstimmiger fröhlicher Gesang zu hören, der aus dem Wagen zu kommen schien. Menschen, definitiv. Bretonen dem Lied nach. Und offensichtlich am Leben.
Sie schickte Ziron als erstes vor, während sie selbst und Helik angespannt, die Waffen bereit, das Umfeld des Wagens im Auge behielten.
Ziron, der Trottel, musste gegen einen Stapel Kochgeschirr gestoßen sein, als er versuchte behutsam in den Wagen zu klettern. Es schepperte laut. Und der Gesang verstummte. Sie wollte gerade selbst in den Wagen stürmen, als Ziron wieder herausschaute und sagte, dass niemand darin sei.
Dann kamen die Rufe. Die Beute hatte unter dem Wagen Zuflucht gesucht. Und nun glaubten sie, ihre Retter wären gekommen. Sie lachte und lachte und lachte. Und ihre beiden Männer fielen in ihr Lachen ein. "Dann will ich die Mäuschen mal aus ihrer Falle holen", krächzte Helik und fing an ein Loch unter den Wagen zu öffnen.

~ * ~

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Freitag, 28. Februar 2014, 00:00

Die dunkle Gestalt am Eingang streckte ihre behandschuhte Hand durch das Loch. "Kommt alle heraus. Ihr seid gerettet" wiederholte die Stimme.
Lukas machte den Anfang, er kroch aus der Höhle unter dem Wagen hervor und verschwand vor den Augen der anderen. "Geh du als nächstes", forderte Vater Elave auf. Danach half Mutter Myrte heraus und folgte ihr gleich nach. Als letztes kam Vater.
Er versuchte die Situation zu erfassen. Mutter und die Kinder standen neben dem Wagen, ein Dunmer stand bei ihnen, einen Bogen leicht gespannt, aber nach unten gerichtet. Eine Dunmerfrau stand einige Schritte entfernt, die Kaputze ihres Fellumhanges tief im Gesicht. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und beobachtete das Loch aus dem er gerade kroch. In ihrem Gürtel steckte ein bedrohlich aussehender gezackter Krummdolch. Der Dunmer neben dem Eingang packte ihn unter dem Arm und zog ihn auf die Beine. Es scheinen Jäger zu sein, dachte er sich, und entspannte sich.
"Wir sind froh ein paar... freundliche Geichter zu sehen." Vater machte ein paar Schritte auf die Frau zu, die hier das Sagen zu haben schien. Der Dunmer neben ihm spannte sich etwas an. "Seit Tagen haben wir keine Seele mehr getroffen. Und langsam gehen unsere Vorräte zur Neige." Die Frau hörte schweigend seinen Ausführungen zu. "Vielleicht könntet Ihr uns sagen, wie weit es noch bis zur nächsten Siedlung ist, und uns etwas von eurer Jagdbeute verkaufen. Zu einem guten Preis!" Kurze Stille. Dann brach zunächst die Frau in Lachen aus, dann auch ihre beiden Gefährten. Vater fiel höflich in das Lachen mit ein. Die drei hörten augenblicklich zu lachen auf, und nur sein eigenes melodisches Lachen hallte noch ein wenig nach. Die Frau hob ihren Kopf und hauchte genüßlich hervor: "Aber IHR seid doch unsere Jagdbeute!" Dunkles Lachen aus dunklen Gesichtern. Der Dunmer neben ihm schubste Vater zu den anderen, so fest, dass er stürzte. Lukas und Elave halfen ihm auf die Beine, Mutter drückte Myrte an sich.

~ * ~


Sie hatten eine Weile schweigend dagesessen, die Arme umeinander gelegt. Keiner mochte etwas sagen. Sie alle waren besorgt oder hatten Angst.
Einer der Fremden bewachte sie, die beiden anderen hatten ein Lagerfeuer entzündet, und dann damit begonnen, den Wagen der Familie nach Nahrung und Wertgegenständen zu durchsuchen. Dabei gingen sie alles andere als zimperlich vor. Auf einer Decke häuften sie alles auf, was ihnen brauchbar erschien: Mutters Schmuck, Vaters Werkzeuge, Parfüm, Apfelwein aus der fernen Heimat, Kleidung... sogar das Geldversteck im Wageninneren entdeckten sie.
Irgendwann waren sie von sich nähernden Stimmen und schleifenden, rasselnden Geräuschen aufgeschreckt worden. Zwei weitere Dunmer gesellten sich zu der Gruppe, und mit sich führten sie sechs in kettengelegte, zerzauste und zerlumpte Männer. Die Männer beachteten die Familie gar nicht. Sie ließen sich einfach in den Schnee fallen, als die kleine Karawane anhielt. Die beiden Neuankömmlinge unterhielten sich rege in einer fremden Sprache mit der Frau. Dabei schauten alle drei immer wieder mit furchteinflößendem raubtierhaftem Grinsen zu der zusammengekauerten Familie.
Einer der Dunmer bereitete einen dicken klebrigen Brei zu, zwei andere bauten drei Zelte auf. Die Frau sammelte ein paar Dinge von der Decke zusammen und verschwand in einem der Zelte. "Ihr werdet doch keine Probleme bereiten, nicht wahr?" Der rotäugige Dunmer beugte sich zu Vater herab und zog seinen Kopf an den Haaren zurück. "Es wäre doch schade um die lieben Kleinen", krächzte er mit Blick auf Elave und Myrte. Vater schaute ihn gequält an und presste hervor: "Was... was geschieht jetzt mit uns?" "Oh, keine Angst. Wir essen keine Kinder", dabei bleckte er mit gelblichen Zähnen Myrte und Elave an, "selbst wenn sie so appetitlich aussehen, wie diese beiden." Er lachte kehlig. "Nein, ihr werdet uns ein schönes Sümmchen auf dem Sklavenmarkt einbringen. Da ist man ganz verrückt nach Leuten wie euch!" Mit diesen Worten ließ er Vaters Kopf wieder los. "Wenn ihr keine Dummheiten macht, dann werdet ihr Leben. Zumindest solange, wie es euren neuen Besitzern gefällt."
Sklaverei. Natürlich wussten sie alle, was das hieß. Zumindest kannten sie Erzählungen darüber. Ein Bretone sollte niemandes Sklave sein. Vaters Hände ballten sich zu Fäusten... aber es war hoffnungslos. Er konnte seine Familie nicht verteidigen. Nicht gegen solch eine Gruppe bewaffneter. Nicht jetzt. Vielleicht würde die Reise eine Möglichkeit bringen. Vielleicht...
Ein Hauch von Mutters gutem Parfüm umwehte ihre Nasen. Die Dunmer war aus dem Zelt gekommen. Schnurstracks stiefelte sie auf Vater zu, vorbei an den anderen. Ihnen stockte der Atem. Abgesehen von Fellstiefeln trug die dunkelhäutige Mer nur das seidene Nachthemd, dass Elave ihrer Mutter einmal genäht und fein bestickt hatte. Es umschmeichelte ihren Körper und betonte ihre Weiblichkeit. Die Frau, die von ihren Männern Vaynivah genannt wurde, griff Vater am Kragen und zog ihn auf die Beine. "Du, Bretone, kommst mit mir mit. Und wenn dir die Unversertheit deiner Kinder etwas bedeutet, dann tust du, was ich verlange." Die Dunmer zerrte Vater mit sich ins Zelt. Bevor er darin verschwand konnte Elave seinen Blick erhaschen. Noch nie hatte sie solche Verzweiflung, Verletztheit und Gram gesehen, wie in diesem 'Augen-Blick'.
Mutter befahl den Kindern, sich die Ohren zuzuhalten. Obwohl sie sich abwand, sah Elave, wie sie weinte.

~ * ~


Maels Blick war leer, als er aus dem Zelt taumelte. Seine Sinne waren benebelt. Er konnte seiner Familie nicht in die Augen schauen - nie mehr. Er ekelte sich vor sich selbst. Etwas in ihm war zerbrochen. Wankend ging er an ihnen vorbei zu der Gruppe gefangener Männer, ließ sich bei ihnen in den Schnee fallen. Sie nahmen kaum Notiz von ihm. Einer mehr, na und?

~ * ~

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Bosmerland (28.02.2014)

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Dienstag, 11. März 2014, 22:05

Helik bewunderte seine Anführerin. Vaynivah hatte das gewisse etwas. Dieses Gespür, wie man jemanden nicht einfach nur gefügig macht, nein, sondern wie man jemanden im tiefsten Grunde seiner selbst bricht. Sie wusste genau, wo sie ansetzen musste, was sie tun musste, um aus freien Geistern, ergebene, willenlose Sklaven zu formen. Sie erkannte die verborgensten Schwachpunkte in der Beute. Diesmal hatte sie nicht einfach nur einen Mann gebrochen, sie hatte mit einem Schlag eine ganze Familie in formbare Arbeitsdrohnen verwandelt. Von ihr konnte der Dunmer viel lernen, wenn er nur aufmerksam genug war.

Die halbe Nacht hatten sie die Beute für den weiteren Marsch vorbereitet. Die Kleidung, die sie am Leib hatten, durften sie vorerst behalten. Der Weg war noch lang, und tot nützte die Beute nichts. Die vier größeren hatten Eisenbänder um ihre Hälse bekommen und waren in Ketten an die anderen und aneinander, schön hintereinader, geschlagen worden. Gewehrt hatte sich niemand von ihnen. Das Kleinste war mit einem Strick um den Bauch an seine Schwester gebunden. Notfalls sollte diese sie tragen können.
Vom Pams hatte nur der Junge gegessen, die anderen rührten ihr Essen nicht an. Noch nicht. Helik rechnete damit, dass sie spätestens am kommenden Abend die schmierige Pampe herunterwürgen würden, als wäre es die leckerste Käfersuppe.
Vaynivah drängte zur Eile. Das Wetter verschlechterte sich.
Ulpar hatte sich um das Pferd der Familie gekümmert. Es stand nur wenige Schritte entfernt unter ein paar Bäumen. So ein kräftiges, muskulöses Tier. Aber selbst dieses Tier hatte sich nicht gewehrt. Ulpar hatte sich ihm mit seinem gezackten Krummsäbel genähert, es blieb still stehen. Es schnaubte nicht einmal. Als die Klinge seine Kehle sauber durchschnitt, taumelte es nur kurz, während sich sein heißes Blut im Bogen in den Schnee ergoß, dann fiel es einfach um. Die Mädchen hatten aufgeschrien und weinten. Der Bruder stellte sich so vor sie, dass sie nicht mitansehen konnten, was danach geschah. Ulpar schnitt die besten Stücke Fleisch heraus und verpackte sie sorgfältig. Bei der Kälte mussten sie es nicht sofort durchbraten. Er war hinterher über und über mit Blut bedeckt und schien es zu genießen.
Vor Ulpar hatte Helik Respekt. Eigentlich sogar etwas Angst. Ulpar würde ihnen allen ohne Zögern die Kehlen durchschneiden, wenn Vaynivah es ihm befahl. Dabei kannten sie Ulpar schon viel länger, als ihre Anführerin, und hatten schon viel gemeinsam durchgestanden. Aber Ulpar hatte sich verändert. Das konnte Vaynivah. Sie veränderte jeden.

Er scheuchte die Beute auf. Die Zeit der Rast war vorbei. Mit schweren Ketten quälten sich die Bretonen auf ihre schwachen Beine. Als würden sie absichtlich langsamer machen. Helik ließ seine Peitsche durch die Luft schnalzen, meistens reichte das schon.
Gerade setzte sich der Beutetzug in Bewegung, als das Kleinste zu kläffen anfing. "FREDI", bellte es mit seiner quäkigen Stimme, "FREEEDI! FREEEDI!" Dabei zerrte es an seiner Leine in Richtung des eingeschneiten Wagens. Die Schwester versuchte es zurückzuhalten und sprach beruhigend auf das Kleine ein, ohne Wirkung.
Hatte er etwas übersehen unter dem Wagen? Was das Kleine rief klang wie ein Name. Aber da war doch niemand mehr gewesen, oder? Hatte sich noch ein Brüderchen dort versteckt? Einen solchen Fehler wollte sich Helik nicht erlauben. Durch den Schnee wühlte er sich zum Wagen, steckte den Kopf in das Durchgangsloch. Es war zu dunkel, um etwas zu sehen zu können. Selbst mit seinem Augen brauchte er wenigstens etwas Restlicht. Mit einer Hand tastete er in der Höhle herum, mit der anderen hielt er den Dolch festumklammert, jederzeit bereit notfalls zuzustechen. Seine Hand stieß gegen etwas. Leblos. Klein. Vielleicht ein Haustier? Er befühlte es. Es war nachgiebig, wenn man darauf drückte. Es schien vier Beine zu haben, oder zwei Arme und zwei Beine. Aber die hingen nur schlaff herunter. Was es auch war, es hatte die Nacht nicht überlebt.
Mit dem toten Ding in der Hand kroch er aus dem Loch. Er glaubte seinen Augen kaum. Es war... offenbar eine Art 'Menschenpuppe'. Er ließ das unnütze Ding in den Schnee fallen. "FREEEDI", schrie das Kleine wieder. Es würde wohl keine Ruhe geben. Die anderen schauten auch schon zu ihm. Er musste etwas tun. Was würde wohl Vaynivah tun? Er hob die Puppe wieder auf und ging auf das kleine Mädchen zu. An den Beinen hielt er die Puppe kopfüber vor sie, gerade so, dass ihre ausgestreckten Hände sie nicht greifen konnten. Er schaute in das gerötete, verweinte Gesicht des Menschenkindes. Dann schob er langsam von hinten seinen Dolch durch den Rumpf der Puppe, drehte ihn, so dass ein großes hässliches Loch entstand, aus dem Stroh und Sägespäne rieselten. Das Mädchen schluckte und wurde still, seine Augen waren groß. "Dein Fredi ist tot", krächzte Helik, entblößte seine gelben Zähne und lachte kehlig dazu. Dann warf er die Puppe in hohem Bogen in Richtung Kutschwagen davon.

In den großen Augen des Kindes sah Helik, wie sein Herz und seine Seele zerbrachen. Er war sehr stolz auf sich. Vielleicht hatte er doch schon etwas von seiner Anführerin gelernt. Zufrieden schupste er das verstummte Kind zu seiner Schwester.
Dann ließ er wieder seine Peitsche knallen, und die Beute setzte sich mit monotonen Schritten in Bewegung.

~ * ~


So ein dummer Elf, dachte Myrte bei sich. Der weiß nichtmal, dass man eine Puppe nicht töten kann. Sie nahm sich vor, sich den Weg ganz genau einzuprägen. Sie würde nach Fredi suchen. Irgendwann. Sobald es ging. Und dann würde Elave ihn wieder heil machen, wie schon viele Male zuvor. Aber das musste der hässliche Elf nicht wissen.
Myrte setzte ihr traurigstes und herzzerreissenstes Gesicht auf, so, wie sie es immer tat, wenn sie etwas ausgefressen hatte und erwischt wurde. Aber im Inneren lachte sie über den Dum-Mer.

~ * ~

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Elave« (11. März 2014, 22:11)


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Samstag, 29. März 2014, 07:25

Tagelang marschierten sie über verschneite Wege bergauf, bergab. Größere Siedlungen mieden ihre Dunmer-Antreiber. Wenn Elave ihren Blick gelegentlich bei einer der wenigen Pausen über die Täler streichen ließ, dann konnte sie den Rauch aus den Schornsteinen warmer Herdfeuer erblicken. Eine ferne heimelige Welt.
Die Elfen sprachen untereinander in ihrer eigenen harten Sprache, mit den Gefangenen sprachen sie kaum. Und wenn doch, dann war es meistens Spot, Erniedrigung und Unzucht, Androhungen, was sie alles mit ihrer 'Beute' tun könnten, wollten und würden.
Am Anfang versuchte Elave noch mehr über die übrigen Gefangenen herauszubekommen, wo sie herstammten, wie sie gefangen wurden... aber sie blickte dabei nur in gebrochene Herzen und gebrochenen Willen, in Schmerz und Selbstaufgabe.
Und ihrer Familie ging es nicht anders. Vater und Mutter sprachen nicht miteinander, und bald auch nicht mehr mit den Kindern. Lukas versuchte zu Beginn ihrer Gefangenschaft Vater und die übrigen Männer zu einem Befreiungsversuch aufzustacheln, aber es gab keine Unterstützung. Einer der Männer muss sogar ihren Sklaventreibern davon erzählt haben, denn Lukas wurde einen Abend von den anderen fortgebracht, versuchte sich wild zu wehren, aber wurde brutal niedergeschlagen. Später hörte Elave seine Schmerzensschreie irgendwo aus dem Wald. Als sie ihn zurückbrachten konnte er kaum noch gehen. Seine Fusssohlen waren verbrannt und die Spitzen seiner Ohren hatten sie ihm abgeschnitten... und jeglicher Gedanke an Aufstand und Befreiung war ausgelöscht.

Allein Myrte schien mit den Umständen einigermaßen klar zu kommen. Natürlich war sie verwirrt und ängstlich, hatte oft Hunger oder quengelte, aber sie hatte noch Lebensfunken in sich. Mittlerweile war es Elave alleine, die von Zeit zu Zeit Myrte tragen musste, wenn diese nicht mehr konnte. Aber das machte ihr nichts aus. Sich um Myrte zu kümmern gab ihr selbst innere Kraft durchzuhalten. Beim Marschieren unterhielten sie sich oft über die Zeit nach diesem Alptraum, was sie alles machen wollten, was sie kochen und essen wollten, wie sie wieder eine Familie sein wollten. Immer wenn es 'Pams' gab, malten sie sich aus, was es stattdessen sein würde, was sie da aßen - meistens fantasievolle Süßspeisen.
Trotz der Umstände, trotz der inneren Last durch die Quälereien und die Zerstörung ihrer Familie, trotz der äußeren Last durch den schweren Eisenring um ihren Hals und die Ketten, konnten sich Elave mit Myrte über Pflanzen und Tiere freuen, die sie noch nie zuvor gesehen hatten, staunten sie über die immer unwirklich und fremder werdende Landschaft.

Nur wenige andere Reisende begegneten ihnen. Einige Nord, die die Dunmer mißtrauisch beäugten, aber nur sicher gingen, dass keine Verwandten von ihnen unter den Gefangenen waren, eine Khajiit-Handelskarawane, bei der die Dunmer die Lebensmittelvorräte etwas auffrischten und einen Teil des Hab und Guts ihrer Beute veräußerten [Myrte hatte noch nie einen Khajiit gesehen und saß mit staunendem Blick und offenem Mund da, beobachtete die zweibeinigen, redenden Fellwesen mit den langen Schweifen, die sie beim reden hin und her wiegten], und immer mehr Dunmer, die mal mehr, mal weniger Interesse an der Beute ihrer Antreiber zeigten.


~ * ~


Irgendwann hatte die Landschaft nicht mehr die entfernteste Ähnlichkeit mit allem, was sie bisher aus ihrer alten Heimat kannten. Kalte Nächte folgten auf heiße Tage, Asche wehte ihnen in ihre Augen, und Bäume wichen Pilzen in unbeschreiblicher Größe. Den Worten ihrer Peiniger entnahm Elave, dass sich ihre Reise dem vorläufigen Ende näherte.

Was sie dort erwarten würde lag jenseits ihrer Vorstellungskraft.

~ * ~

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Samstag, 19. August 2017, 13:15

Seit dieser Teil der Geschichte endete, ist viel Zeit vergangen, und vieles hat sich in Elaves Leben als Sklavin verändert. Es folgt eine Kurzzusammenfassung der Ereignisse, die sich in Teilen, bereits vor vielen Monaten, IC abgespielt haben, und die die Lücke zu aktuellen Ereignissen schließt:

Bei der Schwarzen Rose wurde Elave zunächst von der Mutter getrennt mit anderen Kindersklaven in einem großen Massenkäfig untergebracht.
Nach einer Einschätzung, wofür sie zu gebrauchen sei, wurde damit begonnen sie zur Haussklavin auszubilden und ihr "Manieren" beizubringen. Gleichzeitig diente sie als Druckmittel, um ihre Mutter gefügig zu machen.
Aufgrund ihrer Folgsamkeit und ihres untertänigen Gehorsams wurde es ihr eine Zeitlang gestattet mit ihrer Mutter in einer Sklavenhütte der Schwarzen Rose untergebracht zu sein.

Ihre "Ausbildung" war noch nicht abgeschlossen, als sie nach einigen Monaten - die eine Ewigkeit zu sein schienen - an einen Telvanni-Zauberer, der angetan davon war Mutter und Tochter gemeinsam erstehen zu können, weiterverkauft wurde.

Der Käufer verwendete Elave zunächst als Hilfe in der Küche und für alle niederen Hausarbeiten. Drei Jahre nachdem ihre Mutter und sie an den Hexenmeister verkauft wurden, verstarb ihre Mutter bei einem Experiment des Meisters - die genaueren Umstände des Todes fand sie erst sehr viel später heraus.

Von da an musste Elave zusätzlich zu allem anderen dem Meister auch in seinem Labor zur Hand gehen.

Der Meister war launisch und jähzornig und verhängte harte Strafen, die er entweder selbst ausführte oder bei deren Ausführung er zuschaute, wenn etwas nicht nach seinem Wunsch ausgeführt wurde, allerdings hegte er keinerlei sexuelles Interesse an seinen Sklavinnen und Sklaven. Auch verwendete er keine Namen für seine Sklavenschaft, sondern betrachtete sie eher "sächlich".

Ganz anders der Sohn des Hauses, dessen Interesse an Elave wuchs, als sie immer fraulicher heranwuchs. Wurde er zunächst einfach nur zudringlicher, bediente er sich Elave - wie auch anderer Sklavinnen und Sklaven seines Vaters ohne dessen Wissen - irgendwann einfach als sexuelles Spielobjekt für sich selber oder auf ausgefallenen Orgien mit seinen ungestümen Freunden, die darum wetteiferten die Sklaven spüren zu lassen, wie sehr sie ihnen überlegen waren und das sie mit ihnen tun konnten oder sie tun lassen konnten, was immer sie wollten.

Wohl um Elave zu quälen, erzählte der Sohn des Hauses ihr einmal, auf welche Art und Weise ihre Mutter aus dem Leben geschieden ist.
Das war der Moment, in dem in Elave der Plan heranreifte, diesem Herrn und seinem Haus, diesem Dasein, zu entfliehen.
Dennoch dauerte es von da an noch weitere Monate, bis ihr die Flucht - zunächst einmal - gelang.

In der Fremde, auf sich alleine gestellt, gejagd, begann Elave die Suche nach dem Rest ihrer Familie. Sie schlug sich als Tagelöhnerin durch, oder, wenn es gar nicht anders ging, in dem sie ihren Körper anbot, oft nur für eine warme Mahlzeit und einen trockenen Platz für die Nacht. Oder um an Informationen über ihren Vater, ihren Bruder und ihre Schwester zu gelangen.

Tatsächlich fand sie heraus, in welche Schwefelmiene ihr Vater und ihr Bruder verkauft wurden. Als sie dort eintraf, war ihr Vater ein gebrochener Mann, in dem es kaum noch einen Lebensfunken gab. Nichts war mehr übrig von der Fröhlichkeit und dem Witz, an die sich Elave aus ihrer Kindheit erinnerte. Die Dämpfe der Miene hatten den Körper ihres Vaters vergiftet und ausgezehrt. Gegen Gefälligkeiten ließ der schmierige Mienenvorarbeiter sie zu ihrem sterbenden Vater. Er hatte schon länger gelebt, als manch anderer in den Schwefelmienen. Seine Tochter in Freiheit zu sehen gab ihm den Frieden um loszulassen. Er verstarb weinend und um Verzeihung bittend in Elaves Armen. Nun konnte er wieder mit seiner Frau vereint sein.

Von ihrem Vater hatte Elave auch erfahren, dass ihr Bruder schon wenige Monate nach der Versklavung nach einem Sklavenaufstand als abschreckendes Beispiel lebendig gepfählt worden war. Eines der aufgespießten Skelette am Zugang zur Miene war er. Gegen weitere Gefälligkeiten erlaubte der Vorarbeiter ihr das Skelett ihres Bruders und den Leichnam ihres Vaters mitzunehmen, um sie zu bestatten.
In einem fremden Land, am Ufer eines fremden Meeres, in kargem, aschedurchsetzten Boden, aber der über dem Meer aufgehenden Sonne zugewandt, fanden sie ihre letzte Ruhestätte. Beiden legte sie ein geschnitztes Stück Holz mit ihren Namen mit ins Grab, damit sie nicht vergessen würden.

Von dort aus folgte Elave dem Strand. Ernährte sich von Seetang und Krabben. Bis sie auf ein Schiff stieß. Die Mannschaft füllte die Frischwasservorräte auf. Es waren Piraten. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus vielen Völkern. Natürlich kannten sie die Bedeutung der schwarzen Rose in Elaves Nacken. Sie nahmen sie als Beute mit.

Im tiefen Süden, wo man die Abschaffung der Sklaverei nicht ganz so ernst nahm, unter brennender Sonne, auf heißem, weißen Strandsand, wurde sie erneut verkauft. Eine rothwardonische Händlerin nahm sie in ihren Hausstand auf. Es war so ganz anders als der Schmutz, die Erniedrigung und die Benutzung, die sie aus ihrer früheren Sklavenzeit kannte. Sie bekam wunderschöne seidige Kleider, lebte mit anderen Sklavinnen in einem großzügigen, schattigen Raum, schließ auf weichen Kissen. Immer gab es genug zu Essen und zu trinken. Exotische Früchte und süßen Wein. Scharf gewürztes Fleisch und weißes Brot. Täglich durften die Sklavinnen baden. Salbten sich mit Düften ein. An manchen Tagen ging die Sklavenvorsteherin, selbst eine Sklavin, mit den übrigen Sklavinnen an den Strand, der zum Haus der Herrin gehörte, und alle badeten und alberten im Meer. Die Sklavinnen wurden nach ihren Fähigkeiten und Neigungen zur Arbeit eingeteilt. Elaves Kochrezepte aus ihrer alten Heimat, vor allem Süßspeisen, fanden großen Anklang.
An den Abenden wurde oft musiziert oder es wurden Geschichten vorgelesen. Jeder setzte alles daran, dass es der Herrin gut ging. Nicht, weil sie es mussten, sondern weil sie es wollten.
Natürlich gab es auch manchesmal Strafen, wenn ein Fehler gemacht wurde. Eine Herrin muss eben auch streng sein, damit die Sklavin weiß, wo die Grenzen sind.
Stets führte die Herrin die Strafen selbst aus. Und immer sagte sie nach der Strafe, dass sie der Sklavin, die sie enttäuscht hatte, vergebe.
Danach achtete sie sehr darauf, dass die übrigen Sklavinnen sich gut um die Bestrafte kümmerten, sie pflegten und versorgten, bis es ihr wieder gut genug ginge, um ein nützliches Teil des Hausstandes zu sein.

Wenn es nach Elave gegangen wäre, so hätte sie für alle Zeit ihrer Herrin in diesem Anwesen dienen wollen. Doch das war ihr nicht vergönnt.

Eines Tages kam ein Schiff. Plünderer aus dem Norden. Erbarmungslos fielen sie über das Anwesen her, zertrümmerten mit ihren Äxten, was ihnen im Weg war - Tore, Türen, Menschen. "Tod den Sklavenhaltern", schrien sie. Aber töteten gleichermaßen Sklavinnen wie Freie. Lange stellte die Herrin sich ihnen in den Weg. Doch irgendwann fiel sie unter dem Ansturm der Nord.
Wer noch lebte wurde zusammengetrieben. Und alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde in Säcke und Kisten verpackt.
Wer kein Sklave war, wurde vor aller Augen aufgehängt.
Zu den verbliebenen Sklavinnen wurde gesagt, dass sie nun frei wären. Und als erstes wurde Dankbarkeit für die Befreiung eingefordert.
Danach wurden die "befreiten" Sklavinnen unter den Nord verteilt, die selbst noch keine Frau hatten, oder deren Frauen verstorben waren. Elave wurde einem Nord mitgebracht, dessen letzte Frau jüngst verstorben war.
Nach langer Fahrt wurde sie an ihn übergeben. Es war ein Baum von einem Mann, doch gezeichnet von hohem Alter. Das Haus und Hof waren in schlechtem Zustand. Der Mann war grobschächtig und unwirsch. Die Hochzeit eher eine Formalie. Elave war bereits seine vierte Frau. In der Hochzeitsnacht schlief er betrunken auf ihr ein, unfähig seiner ehelichen Pflicht nachzukommen. Im Haus wohnten auch noch seine fünf verwahrlosten Kinder aus vorherigen Ehen. Das älteste schon so alt wie Elave, das jüngste gerade mal fünf.
Der alte Nord behandelte Elave eher wie ein Stück Vieh. Aber die meiste Zeit beachtete er sie gar nicht. Sie ging ihren häuslichen Pflichten nach. Frei unfrei. Sie sorgte dafür, dass die Kinder ordentlich gekleidet waren, dass es immer ausreichend zu essen gab, sie versorgte die Tiere im Stall und auf dem Hof, lehrte die Kinder lesen, und erduldete es klaglos, wenn ihr Mann wiedereinmal versuchte, ihr sein nächstes Kind einzupflanzen... in der Gewissheit, dass es nicht gelingen würde. Dafür hatte sie mit einem Kraut vorgesorgt, dass sie im Garten, zwischen anderen Kräutern und Gemüsen, anbaute.

Noch nicht ein Jahr war vergangen, als ihr Mann röchelnd seinen letzten Atemzug tat.
Sie sorgte für ein schönes Begräbnis im Familiengrab, bekochte die angereisten Verwandten und Bekannten. Die Erben teilten den Besitz unter sich auf. Elave hatte keine Ansprüche, die Ehe war dafür zu kurz, und sie war eine Fremdländerin.
Unter den Verwandten war niemand, der sie übernehmen wollte. Schließlich müsse man sich ja schon um die Kinder kümmern, eine Fremde kann man nicht gebrauchen. Man gab ihr ein Bündel Brot und einen Wasserschlauch und schickte sie mit dem fort, was sie am Leibe trug.

So steht sie nun da. Frei, ohne etwas mit Freiheit anfangen zu können...

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Deikan (20.08.2017)

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Samstag, 19. August 2017, 13:25

Einblicke in ein Sklavenleben

Mittlerweile hat Elave ihre Freiheit überwunden. Sie begab sich selbst in die Hände von Sklavenjägern und -händlern, um sich weiter verkaufen zu lassen. Ihre Erlebnisse aus der Sicht der Sklavin folgen in Einzelepisoden, basierend auf Ereignissen im Rollenspiel, statt als fortlaufende Geschichte.

Durchsuchung [1/2]

Ich räume auf. Gewissenhaft. Ich weiß, es ist wichtig. Irgendetwas hängt davon ab. Alle Papiere sind geordnet. Ich staube die Buchrücken ab. Soviele Bücher. Angefüllt mit Wissen. Meine Finger streichen über die Einbände. Sie sind wie Haut. Viele haben schöne Muster. Manche sind aber auch recht schlicht, ledrig, gesprenkelt, so als hätten sie Sommersprossen.

Es knarzt im Regal. Eines der Bücher wackelt. Ich muss zusehen, wie es ruckelnd die ordentliche Linie der anderen Bücher verlässt. Es schiebt sich langsam, zitternd heraus, bis es flappend mit einem hallenden Rummsen auf den Boden kracht.
Ich will es schnell wieder aufheben und in seine Lücke stellen.
Das ist wichtig für irgendetwas.

Ich komme kaum näher. Zäh. Als würde die Zeit um mich langsamer verlaufen.
Ich bin immer noch nicht beim Buch, da knarzt es wieder.
Ein weiteres Buch wackelt. Viele Bücher wackeln.
Eines nach dem anderen fällt aus dem Regal.
Das ist eine Katastrophe.
Das darf nicht sein.

Ich will sie aufhalten.
Rede auf sie ein.
Schreie auf sie ein.

Ein Buch fällt mir in die Hände.
Es fühlt sich warm und weich an. Lebendig.
Der Einband ist gesprenkelt. Auf der Vorderseite in der unteren, rechten Ecke ist eine kleine, dunkle Erhebung. Wie ein Muttermal.

Mein Rücken fühlt sich komisch an. Ein brennendes Kribbeln. Ich fasse unwillkürlich mit einer Hand dorthin. Klebrig. Feucht.
Ich schaue an meiner Seite herab.
Rohes Fleisch.
Eine feine, gerade Schnittkannte.
Ein großes Rechteck meiner Haut fehlt.

Das Buch fällt aus meiner Hand.
Alle Bücher fallen aus den Regalen.
Sie werden mich unter sich begraben.
Überall Stimmen.
Viele Stimmen.
Laute Stimmen.
Ich schreie.


~ * ~

Dunkelheit. Bunte Lichtflecken vor den Augen. Ich werde gestoßen. Hektik um mich herum.
Kettenrasseln. Es wird langsam klarer, heller vor meinen Augen.
Meine Seite schmerzt – noch immer?
Es riecht nach Stroh. Fäkalien. Katzenpisse.
Befehlende Stimmen.
Fiepsen, stöhnen, jammern.
Ich rappel mich auf, noch gar nicht ganz wach. Orientierungslos. Gefangen zwischen Traum und Wirklichkeit.
Noch bevor mir einfällt wo ich bin, weiß ich, dass ich mich hinknien muss.
Neben mir kniet ein ausgemergelter Khajiit. Ein Sklave. Wie ich.
Wachen sind im Quartier. Vier oder Fünf.
Sie wecken die Sklaven. Mit Tritten, Schreien, Holzknüppeln.
Darum also tut meine Seite weh.

Ich knie, habe den Blick gesenkt.
Ich nehme alles nur aus den Augenwinkeln wahr.
Langsam legt sich die Unruhe. Nach und nach sind alle Sklaven auf ihren Knien.
Die meisten sind Khajiit. Viele davon männlich.
Ich bin hier unten im Sklavenquartier zur Zeit der einzige Mensch.

Ich bin nackt. Längst schon fühlt sich Nacktheit nicht mehr unangenehm an. Meistens.
Und es war keine Zeit, schnell noch etwas anzuziehen. Meine Sachen hängen auf einem Seil an der Wand hinter mir.
Viele Sklaven schlafen in ihrer Kleidung. Bald stinkt ihre Kleidung wie sie selbst.
Vor allem Khajiit, die sich vernachlässigen, verbreiten einen unangenehm strengen Geruch.
Nicht selten wurde ich wach, weil der stinkende Schweif meines Schlafnachbarn sich an mein Gesicht gelegt hatte.
Oder weil mir sein fauliger Atem in die Nase stieg. Ich glaube manchmal, wir haben deshalb so wenig Mäuse hier, weil die Khajiit sie heimlich nachts fangen und fressen.
Ich habe früh gelernt, dass es besser ist nackt zu schlafen, wenn man keine Kleidung zum wechseln hat - vor allem, wenn man die Erlaubnis hat, sich zu waschen. Erst recht, wenn man den Befehl hat, sich sauber zu halten.

~ * ~

Nackt zu sein zum Schlafen im Sklavenquartier macht mir nichts aus.
Die meisten Sklaven, denen ich bisher bei Dunmer-Herren begegnet bin, waren Khajiit. Und denen ist soviel „Fell-losigkeit“ zunächst zumeist eher unangenehm.
Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die oft körperlich schwere Arbeit der Sklaven und die kurzen Schlafpausen dämpfen den Sexualtrieb der Sklaven zusätzlich.
Beunruhigender empfand ich es im Sklavenpferch meines ersten Herrn eher, dass die Tiermenschen meinen nackten Körper ansahen, als wäre ich ein gerupftes Huhn, bereit zur Zubereitung.
Und die Geschichten, die sie dort erzählten, verstärkten diesen Eindruck wohl eher.

Unangenehmer war mir da schon eher Nacktheit vor einem Herrn.
Meistens war das entweder mit einer Strafe verbunden – dann ging es oft auch mit verbaler Herabwürdigung einher – oder diente irgendwelchen Experimenten und Studien, oder führte zur Lustbefriedigung der Herren und ihrer Gäste.
Aber die Grenzen waren fließend und nicht selten waren alle drei Dinge miteinander verbunden.
Hier diente die Nacktheit der Sklavin oft der Erniedrigung – im Wortsinne.

Auch wenn Erniedrigung unangenehm ist, so ist sie doch wichtig, damit die Sklavin oder der Sklave – gerade auch, wenn sie einmal besser behandelt werden – nicht ihren eigentlichen Stellenwert vergisst.

~ * ~

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Samstag, 19. August 2017, 13:27

Durchsuchung [2/2]

Mittlerweile knien alle Sklaven in einer Reihe auf dem Steinboden, den Käfigen gegenüber.
Auch die Käfigsklaven waren herausgeholt worden.
Ein Wachmann geht vor uns auf und ab, mustert uns herablassend, voller Abscheu.
Es wurde wieder etwas gestohlen. Glaubt ihr, dass so erbärmliche Kreaturen wie ihr irgendetwas besitzen sollten, was eure Herren euch nicht selbst in ihrer Güte gegeben haben?
Natürlich folgte keine Antwort. Auch die meisten der Tiermenschen haben gelernt, wann eine Frage eine Antwort verlangt und wann man einfach nur zuhören soll.
Wer etwas darüber weiß oder etwas damit zu tun hat, der darf sich jetzt melden.
Die Stimme des Wachmanns ist harsch. Es ist ihm anzumerken, wie es ihn anwiedert hier in den Sklavenquartieren sein zu müssen.
Es folgt kein Räuspern.

Der Wachmann gibt den anderen Wachen ein Zeichen.
Mit ihren Stöcken beginnen sie das Stroh der Sklavenlager zu durchsuchen.
Kleine Käfer, vergessene Mäuse und anderes Getier huscht aufgescheucht an geschütztere Stellen im Dunkeln.

Während die Wachen keinen Platz im Sklavenquartier unbeachtet lassen, befiehlt der Wachmann: „Ausziehen!
Das eine Wort reicht, damit die Sklaven wissen, was genau zu tun ist.
Solche Durchsuchungen kommen beinahe wöchentlich vor. Eher öfter.
Ich bleibe unbewegt stehen, die Beine leicht geöffnet – etwa auf Schulterbreite – die Hände auf dem Rücken in den Armbeugen, Unterarme aneinander gelegt.
Dadurch ist man zu einer sehr geraden, aufrechten Haltung gezwungen.
Früher war es mir sehr unangenehm derart dastehen zu müssen. Ich fühlte mich entblößt und schutzlos. Nahezu nichts des Körpers bleibt den Blicken anderer verborgen. Jede – noch so ungewollte – körperliche Reaktion ist offensichtlich.
Solche Nacktheit ist immer erniedrigend.
Erst recht, wenn körperliche Reaktionen, wie das versteifen der Brustwarzen oder eine Gänsehaut, mit Worten absichtlich fehlinterpretiert werden.

Noch schlimmer ergeht es einem jedoch, wenn die Herren merken, dass man auf manche Erniedrigung ungewollt tatsächlich mit sexueller Erregung reagiert.
Solches Wissen verleiht dem Herrn zusätzliche Macht.
So wie es bei Sex oder sexuellen Handlungen durch die Herren oder vor den Herren immer nur darum geht, Macht auszuüben.

Mein Blick ist gesenkt, so wie es sich gehört.
Tief genug, um dem Wachmann nicht ins Gesicht zu sehen, nicht so tief, dass ich seine Hände nicht sehen könnte, sollte er einen Befehl durch ein Handzeichen geben.

In der Zwischenzeit sind nun auch die meisten anderen Sklaven nackt. Manchen der neueren Sklaven, insbesondere der Khajiit, fällt es noch sehr schwer, sich derart entblößt zu zeigen.
Andere legen ihre Kleidung so monoton ab, als wären sie nur noch leere Arbeitshüllen.
Manche Khajiit versuchen ihre Blöße zu bedecken, bekommen dann kleine Hiebe mit einer Gerte auf ihre Pfoten.
Dabei kommen mir männliche Khajiit immer weitaus weniger nackt vor, als etwa Menschen oder Mer. Nicht alleine wegen ihres Felles. Ich war fasziniert und vielleicht auch erschreckt, als ich das erste Mal das Glied eines Khajiit sah, wie es sich - wie bei einem Tier - aus einer Art 'Felltasche' schob.

Der Wachmann geht die Reihe ab. Sein Blick fühlt sich durchdringend auf der Haut an, voller Ekel und Abscheu.
Den einzigen Dunmer-Sklaven im Quartier beachtet er nicht einmal.

Hinter uns durchsuchen die Wachen weiter das Stroh, heben lose Holzbretter an, leuchten in hohle Fugen. Selbst die Fäkalieneimer werden einfach auf dem Boden ausgekippt und mit Stöcken durchsucht.

Bisher wurde nicht viel gefunden. Eine Haarbürste, der schon viele Borsten fehlen und die vermutlich von ihrem Vorbesitzer einfach weggeworfen wurde – was einem Sklaven trotzdem nicht erlaubt, sie an sich zu nehmen – ein Schleifstein aus der Küche, den vielleicht einer der Khajiit benutzt hat, um seine gestutzten Krallen wieder zu schärfen, ein Kannten Brot, das schon leicht angeschimmelt ist.
Nichts davon erlaubt, darum wird es eingesammelt.
Aber offenbar auch nicht das Gesuchte.

Die Kleidung wird durchsucht. Vieles davon nur Lumpen.
Nicht jeder pflegt sich und seine Kleidung.
Manche reparieren ihre Kleidung, wenn sie zerreißt oder löchrig wird. Oder lassen sich dabei helfen.
Anderen ist es egal.
Ich selbst half meinem Schlafnachbar gestern erst einen Riss in seiner Hose zu stopfen.
Die Wache reißt ihn wieder auf. Einfach nur so. Oder um zu sehen, ob etwas darunter ist.
Manche Sklaven nähen sich versteckte Taschen in die Kleidung.

Bei einem Sklaven wird ein Zettel gefunden. Das Symbol der Zwillingsfackel ist darauf.
Das war zwar nicht, was die Wachen suchen, aber der unglückliche und flehende Khajiit wird – nackt wie er ist – aus dem Sklavenquartier geschleift.

~ * ~

Die Durchsuchung ist vorbei.
Gab es den Diebstahl wirklich? Oder war die Durchsuchung nur eine Schikane? Oder eine Strafe für den Wachmann?
Den meisten Sklaven ist das egal.
Als Sklave ist man rechtlos. Der Willkür der Herren ausgesetzt.
Man hat zwar oft einen Namen oder eine Bezeichnung, aber man ist keine Person. Man ist Ware, eine Sache, ein Haushaltsgegenstand. Für manche auch ein Haustier.
Den meisten Herren zählt ihr Guar mehr, als ihre Sklaven.
Sklaven sind zumeist austauschbar und kostengünstig zu ersetzen - auch heute noch, trotz des Verbots der Sklaverei in weiten Teilen der Welt.
Die meisten Sklaven werden 'verbraucht' und dann weggeworfen.
Sklaven erreichen oft kein hohes Alter.
Je nützlicher man sich macht, um so größer die Chance, dass man den nächsten Tag erlebt, die nächste Woche, den nächsten Monat, das nächste Jahr. Die Chance wird größer, dass man behandelt wird, wenn man verletzt oder krank ist.
Und wenn die Zeit gekommen ist zu sterben, dann ist das Beste, was man sich als Sklave erhoffen kann, dass es schnell geht. Über das wie oder darüber, was mit dem Körper danach passiert, macht man sich besser keine Gedanken – leider gelingt das nicht immer.
Erst recht nicht, wenn man mit ansieht, wie es anderen Sklaven ergeht.

Natürlich war nun nicht mehr daran zu denken, sich wieder hinzulegen, als die Wachen gegangen waren. Die Schlafpause war mit der Durchsuchung zu Ende.
Und jede Durchsuchung verursacht viel zusätzliche Arbeit.
Zum Glück ist heute ohnehin der Tag, an dem das Stroh gewechselt wird...

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Samstag, 19. August 2017, 13:29

Einblicke in ein Sklavenleben

Waschtag

Etwa einmal in der Woche wird die Wäsche gewaschen, wenn es keine andere Anweisung gibt. Dabei wird nicht alles an einem Tag gewaschen. Es gibt einen Waschtag für die Leibwäsche der Serjos und Seduras, einen Waschtag für die Bettwäsche der Serjos und Seduras und einen Waschtag für die Leibwäsche und die Decken der Sklavinnen und Sklaven.
Natürlich wird an den jeweiligen Waschtagen auch mit unterschiedlichem Aufwand gewaschen. Bei der Wäsche der Serjos und Seduras muss viel mehr getrennt werden vor dem Waschen, als bei den Sklaven. Die Kleidung der Serjos und Seduras ist viel farbenfroher. Und es kommen viel mehr Materialien zum Einsatz. Außerdem gibt es zusätzliche Arbeitsschritte. Manche Kleidungsstücke der Herrschaften werden gestärkt, geplättet oder bekommen durch Zusatz von wertvollen Essenzen besonderen, frischen Duft. Auch lederne Kleidungsstücke der Herrschaften bedürfen einer besonderen Pflege. Und kleinere Risse oder Beschädigungen werden sofort mit feiner Nadel repariert.
Die wenigsten Serjos und Seduras interressiert es, was alles mit ihrer Wäsche gemacht werden muss. Zumindest, solange sie hinterher wieder ordentlich und gebrauchsfertig in ihren Schränken liegt.
Aber wehe dem ist nicht so. Je nach Herrschaft, und nach aktueller Laune der jeweiligen, kann bereits ein kleiner, übersehener Fehler eine grausame und drakonische Strafe nach sich ziehen. Natürlich kann auch nur eine kleine Ermahnung erfolgen. Als Sklave weiß man nie, was einem bei einem Fehler erwartet.
Darum, Sklave, sei stets aufmerksam.
Doch selbst die größte Aufmerksamkeit schützt einen nicht vor der Willkür mancher Herren. Im Laufe der Jahre habe ich mehr als einmal erlebt, dass Herren absichtlich einen Knopf abrissen oder einen Saum auftrennten, um ihre Leibsklavin auf's schrecklichste zu bestrafen, oder bestrafen zu lassen.
Kommt es dazu, erdulde es, Sklavin. Du verbesserst deine Situation nicht, wenn du dem Herrn widersprichst.
Als Sklavin bist du rechtlos. Du kannst also nie im Recht sein.

Heute ist der Waschtag für die Kleidung und die Decken der Sklaven. Oft ist eine Sklavin oder ein Sklave alleine für die Wäsche zuständig. Es dürfen aber auch andere helfen, wenn sie ihre eigentliche Aufgabe bereits erledigt haben und noch keine neue zugewiesen bekommen haben.
Im Moment ist es an mir alleine, mich um die Wäsche zu kümmern.

Viele Sklaven denken nicht mit. Wohl, weil ihnen im Laufe der Sklaverei das eigenstädnige Denken abhanden geraten ist. Oder es ist ihnen einfach alles andere egal.
Mein Tag beginnt also damit, dass ich im Sklavenquartier die schmutzigen Wäschestücke zusammensuche, die ihre Träger einfach haben liegenlassen, statt sie in die Kiste für Schmutzwäsche zu stecken.
Die Schlafdecken muss ich heute nicht einsammeln. Anders, als die Bettwäsche der Herren, werden die Decken im Sklavenquartier nur einmal im Monat gewaschen. Die rußenden Talgkerzen und die Pechfackeln mindern den Gestank im Sklavenquartier zwar ein bißchen, aber vermögen längst nicht alles zu übertünchen. Man lernt mit dem Gestank zu leben. Frischluft fehlt mir dennoch am meisten.
Seit meiner Ankunft war ich die meiste Zeit nur im fensterlosen Keller des Anwesens. Und noch kein einziges Mal draussen im Hof. An den Tagen, an denen das Stroh erneuert wird, stecke ich meine Nase nachts zur Schlafenszeit manchmal in das Stroh und atme den Duft tief ein. Ein bißchen erinnert der Duft an draussen. An Sonnenschein auf den Feldern und Wiesen. Leider kann man den Duft nicht lange bewahren.

Ich sortiere auch die Sklavenwäsche immer etwas vor. Helle Wäschestücke wasche ich getrennt von den grauen und braunen. Und wenn die Decken mit gewaschen werden, so wasche ich die immer ganz am Schluß.
Heute habe ich zwei Wäschehaufen. Einen etwas kleineren mit 'weißer' Wäsche und einen größeren mit den bräunlichen und gräulichen Kleidungsstücken.
Ich setze den Waschkessel über dem Feuer auf. Während sich das Wasser erhitzt schneide ich kleine Späne von der Kernseife ab und gebe sie zum Wasser dazu. Sie lösen sich langsam ganz auf.
In der Zwischenzeit fülle ich den Waschzuber mit kaltem Wasser. Waschbrett, Seifenstück und Bürste liegen auch schon bereit.

Das Wasser im Kessel siedet. Jetzt gebe ich die weiße Wäsche hinein. Mit einem großen hölzernen Waschlöffel rüre ich die Wäsche im Kessel um. Wende sie, drücke sie. Die Schmutzwäsche muss ganz durchweichen, bevor man sie weiter reinigen kann. Grober Schmutz löst sich jetzt bereits aus dem Stoff.
Ich lege ein Holzrost über den Kessel. Zwei Drittel des Kessels sind damit abgedeckt. Durch das verbliebene, offene Drittel hole ich jedes Wäschestück einzeln mit einer Holzzange aus dem siedenden Wasser. Bei manchen Herren ist es eine beliebte Strafe der Sklavin die Holzzange vorzuenthalten. Hier habe ich das aber noch nicht erlebt.
Die Waschestücke tropfen auf dem Rost ab.

Als nächstes nehme ich die Wäsche mit dem ganzen Rost zum Waschbottich herüber und lasse sie in das kalte Wasser fallen.
Jetzt kommt ersteinmal die graue und braune Wäsche in den Kessel zum einweichen.
Dann knie ich mich vor den Bottich.
Jedes Kleidungsstück wird einzeln auf das Waschbrett gelegt. Dann reibe ich den Kernseifeblock darüber. Da, wo die Wäsche besonders verschmutzt ist etwas mehr. Ausserdem kommt dort dann noch die Bürste zum Einsatz. Abschließend wird das Wäschestück über das Waschbrett gerubbelt, ausgewrungen und kommt in einen Korb.
So geht es weiter.

Natürlich gerät man dabei schnell ins Schwitzen. Nicht nur, wegen des Feuers unter dem Kessel.
Natürlich kommen irgendwann auch die Schmerzen. Rücken und Schultern machen sich bermerkbar. Die Haut auf den Händen schrumpelt vom Wasser und wird ganz weich und hell.
Die Knie drücken.
Waschen ist körperlich anstrengende Arbeit.
Und es gibt keine Pause, bevor nicht alles erledigt ist.

Am Ende wird die Sklavenwäsche nur noch zum trocknen aufgehängt. In der rauchigen Luft nahe dem Feuer ist sie bis zum Abend trocken.
Wenn ein Kleidungsstück besonders kaputt ist, dann flicke oder stopfe ich es. Aber das machen längst nicht alle Sklaven bei der Sklavenwäsche so.

Der erste Schluck Wasser danach ist eine reine Wohltat.
Dann geht es mit einer anderen Aufgabe weiter...

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Spiffypurse (19.08.2017), Deikan (20.08.2017)

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Samstag, 19. August 2017, 23:52

Eine einfache Aufgabe...

Der Tag hatte einen guten Verlauf genommen. Sedura Dres, die Stellvertreterin des Oberhauptes der Sklavenjäger in deren Hände ich mich begeben hatte, rief einige Sklaven zusammen, darunter auch mich.
Die Sedura hatte in den letzten Tagen bereits offenkundiges Interesse gezeigt, mich für ihren Eigenbedarf einzukaufen. Ich wusste nur wenig über die Sedura, aber die Aussicht darauf möglicherweise schon bald wieder in geordnete Verhältnisse zu kommen, gab mir ein gutes Gefühl. War ihre Entscheidung dazu bei dem Mahl gefallen, dass ich im Auftrag der Sedura Vedrem für die Herrschaften kochen durfte? Wer weiß. Aber schon ihre rothwardonische Herrin wusste ihre Kochkünste zu schätzen, und zu verfeinern.
Diesesmal ging es allerdings nicht darum etwas zu kochen. Die Sedura wollte die Festung verlassen, um Kräuter und andere Pflanzen zu sammeln. Dazu wollte sie drei Sklaven nutzen - Wurm, Mie und mich. Tatsächlich? Wir würden nicht nur aus dem Keller oder aus dem Haupthaus kommen, sie wollte uns sogar mit vor die gut verborgene und schwer erreichbare Festung nehmen? Frische Ascheluft? Tageslicht? Ich konnte meine Aufregung, trotz der Disziplin- und Atemübungen, die mir meine Ausbilder einst bis zum umfallen abverlangten, nur sehr schwer verbergen.
Begleitet wurden wir von berittenen Wachleuten - Serjo Nav'rhal und Sedura Arrenthin. Und auch Sedura Dres ritt auf einem stolzen, muskulösen Hengst, der den Namen Vulkan trug. Wir Sklaven gingen mit unseren Erntekörben zwischen ihnen.

Es war eine Wonne. Sanfte Ascheflocken legten sich auf unsere Haut und Haare, es gab so viele vermisste Düfte, Farben, Eindrücke.
Lavendel durften wir für die Sedura ernten. Sie gab genaue Instruktionen, wie wir das Kraut pflücken sollten und worauf wir noch achten mussten.
Ich durfte sogar wieder singen - und sang das Lavendel-Lied, das Jannik in unseren Kindertagen so gerne hörte. In Gedanken kehrte ich in diese unbeschwerte Zeit, die mir wie das Leben einer Anderen vorkommt, zurück. Summende und brummende Hummeln, ein schillernder Schmetterling... Es war eine Zeit, als ich in einem Schmetterling seine Schönheit und Freiheit sah, nicht das alchemische Pulver, dass sich aus seinen Flügeln gewinnen ließ.
Die Zeit verging im Fluge. Unsere Körbe füllten sich. Und die Sedura war mit unserer Arbeit zufrieden. Sie erlaubte uns sogar, etwas für uns selbst zu pflücken oder einzusammeln. Ich musste nicht lange überlegen. Ich sammelte mir ein Bund Lavendel von dem, dessen Qualität nicht gut genug für die Sedura war. Ich würde ihn trocknen und dann ein Säckchen damit füllen - Ein Lavendelsäckchen, wie die, die wir mit unserer Mutter früher oft gefüllt hatten, und die so herrlich neben dem Kopfkissen oder im Schrank dufteten. Vielleicht konnte der Duft des Lavendels den Geruch im Sklavenquartier etwas mildern, wenn ich nachts auf meinem Strohlager lag.

Aber den persönlichen Höhepunkt erreichte dieser Tag für mich, als die Sedura, beinahe beiläufig, verkündete, dass sie mich gekauft hat und ich jetzt ihr gehörte. Ich war wie erstarrt und wusste gar nicht meine Freude darüber zum Ausdruck zu bringen.
Wurm, ihr anderes Eigentum, trug auf ihr Geheiß hin die Regeln der Sedura vor. Regeln von Sklavenhaltern ähneln sich in vielen Punkten. Und das ist auch gut so, fällt es einem als Sklavin dadurch doch leichter, Fehler zu vermeiden.
Natürlich schützt es nicht immer vor Bestrafung, wenn man seine Aufgaben pflichtbewusst erfüllt. Über allem steht die eine, stets ungenannte Regel: Der Herr / die Herrin hat immer recht.
Es ist der Willkür-Faktor, den ich auch schon am eigenen Leibe zu spüren bekam.
Die Regel muss nicht genannt werden. Es versteht sich von selbst, dass der Besitzer mit seinem Eigentum verfahren kann, wie er es gerade möchte.

Ich war frohgemut und innerlich von warmer Freude erfüllt, als wir uns auf den Weg zurück in die Festung machten. Der Duft von Lavendel umgab uns.
Sedura Dres hatte gleich eine einfache Aufgabe für mich. Ich sollte ihren Hengst Vulkan in den Stall führen und versorgen.
Im Laufe der Jahre habe ich eine Vielzahl von Reittieren versorgt. Pferde schon seit meiner Kindheit. Später auch Guare und Kamele.
Allen – auch negativen - Erlebnissen zum Trotz mochte ich Tiere schon immer.
Vulkan ist ein stolzes, kraftvolles Tier. Ein schwarzes, glanzvolles Fell, weiße Mähne und Schweif, und weiße Füße. Seine Pracht und Kraft stand im vollkommenen Widerspruch zur alten, bretonischen Pferdehändler-Weisheit „Vier weiße Füße - gar nicht erst kaufen / Drei weiße Füße - behalt`s nicht zu lang' / Zwei weiße Füße - schenk's einem Freund / Ein weißer Fuß - behalt' es ein Leben lang“ - ja, Vulkan strafte diese Weisheit sogar Lügen.
Er ließ sich ohne Probleme in den Stall führen – aber führte er eigentlich mich? Er ließ sich absatteln und sein Halfter abnehmen – aber war er nicht nur wie ein Herr, der sich von seinem Sklaven aus der Reisekleidung helfen ließ?
Kaum war er vom Zaumzeug befreit, da brach der Vulkan aus, da zeigte er, warum er diesen Namen wirklich trägt. Er bäumte sich auf, so dass ich rückwärts taumelte und ins Stroh fiel. Aber er trat nicht nach, sondern wich tänzelnd um mich herum aus. Wehtun wollte er mir wohl nicht.
Mit lautem Hufgetrappel stürmte er aus dem Stall. Er war der Herr, und ich hatte ihm nicht zu sagen, wann er in den Stall soll.
Bis ich mich aufgerappelt hatte und aus dem Stall folgte, war er auch schon an einem Kirschbaum, rupfte die Blüten vom Baum und ließ sie sich schmecken. Er dampfte. Schwang seinen Schweif. Offenbar war er guter Dinge – Mir war ganz mulmig.
Versagte ich schon gleich bei der ersten Aufgabe für meine neue Herrin? War ich nicht mal in der Lage ein Pferd in den Stall zu bringen? Und wie bekam ich ihn nun doch dazu, mir in den Stall zu folgen?

Ein ungeschriebenes Gesetz – obwohl, vielleicht wurde darüber mittlerweile durchaus geschrieben – besagt, dass ein Unglück selten alleine kommt. Und wenn etwas Schlimmes passiert, dann hat es im Gefolge noch Verschlimmerungen.
Diesem Ausbruch des roten Berges folgten zwei Lavaströme des Unglücks. Zunächst stellte sich mir ein Serjo in den Weg, der wohl gerade seinen Schwertarm trainiert hatte. Hochgewachsen für einen Dunmer. Muskulös. Ein Krieger seines Volkes... und es stellte sich heraus, dass es ausgerechnet der Sohn der Sedura war, der dieses erbärmliche Schauspiel meines Versagens mit ansah. Das zweite Unglück ist ein Beweis dafür, dass der Kosmos einen grausamen Humor für uns bereithält. O Liebende, wo ist dein Geburtssegen geblieben?
Vulkan hatte sich ausgerechnet den Baum ausgesucht, auf den sich der junge Serjo, der mit den Sklaven gerne seine grausamen Späße treibt, zurückgezogen hatte, um etwas in ein Buch zu schreiben – vielleicht führte er ein Tagebuch der Grausamkeiten?
Sein Buch purzelte herab, als Vulkan ihm nahe rückte.
Das war schon schlimm.
Aber...

Das Buch war plötzlich für das riesige Pferd wesentlich interessanter, als Kirschblüten oder die Stiefel des jungen Serjos. Hatten die Daedra ihre Finger im Spiel? Das Pferd nahm doch tatsächlich das ledergebundene Buch zwischen seine mahlenden Zähne – zum Glück ledergebunden, ansonsten hätte es die papierenen Seiten vielleicht schon verschlungen.
Es war grotesk und grausam. Ich stand wie erstarrt da. Der Sohn der Sedura hatte mir einen Platz zugewiesen, an dem ich mitverfolgen musste, was mein Versagen für Folgen hatte.
In ruhigem Ton, ganz unaufgeregt, sagte er: „Das ist Vulkan, der wildeste Hengst im Stall. Keiner vermag ihn zu halten, wenn es dich tröstet.“ Ein Trost war das nicht. Die Sedura musste gewusst haben, was passieren würde. War es ein Test, wie ich mit einem unlösbarem Problem umginge?
„Es gibt nur eine Möglichkeit ihn zu lenken“, fuhr Serjo Thumar fort, „doch sehen wir uns erst an, ob Serjo Nazrilh dem Tier auch so Manieren beibringen kann.“ So also hieß der junge Serjo.
Meine Beine waren schwer wie Felsbrocken. Konnte das noch als EIN Fehler durchgehen, den mir die Sedura straflos vergeben würde?

Das Pferd schien den jungen Saerjo zu verspotten, mit ihm spielen zu wollen. Es trabte fröhlich im Kreis, das Buch im Maul, und ließ den Serjo sich nachjagen. Dieser sah aus, als wollte er am liebsten mit dem Pferd ringen – und der Hengst sah aus, als würde er grinsen.
Manieren brachte Serjo Nazrilh diesem Vulkan nicht bei.

Serjo Thumar hatte wohl ein Einsehen. Oder er wurde des Anblicks müde. „Es gibt nur eine Möglichkeit, und die heißt Basalt“, er machte eine kurze Pause um den Worten Nachdruck zu verleihen. „Dieser Teufel hier – ich war sechs Jahre mit ihm auf Reisen – lässt sich nur von der Sedura reiten und zähmen. Falls du in die Verlegenheit kommst, dass er dir durchgeht, frage Basalt. Er wird dir helfen.“
Basalt. Noch ein Serjo, den ich nicht einordnen konnte. Es war der riesige schwarze Khajiit-Serjo, der mir im Keller begegnete. Ich würde froh sein, wenn dieser Tag vorbei war. Egal, was daraus noch folgen würde.

Serjo Thumar schickte mich Serjo Basalt holen. Ich selbst sollte dann einer anderen Aufgabe übernehmen, und alles weitere dem Khajiit überlassen.

Ich bedankte mich und ging, so schnell es meine bleiernen Beine und mein dumpf pochender Po es zuließen, in die Festung, um Serjo Basalt zu suchen. Ich hoffte nur, dass wenigstens jetzt nichts mehr schief ginge...



[Vulkan grinst und Nazrilh schäumt.]

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Deikan (20.08.2017)

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